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Deutschland - 06.01.2019

Datenklau bei Politikern blieb Behörden tagelang verborgen

Hacker veröffentlichen Daten von Politikern und Promis: So sehen die Ordner aus

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist betroffen. t-online.de liegen die Daten vor. Wir zeigen, wie so etwas aussieht – natürlich ohne die Daten zu veröffentlichen.

Hacker veröffentlichen Daten von Politikern und Promis: t-online.de zeigt, wie das Material aussieht. (Quelle: t-online.de)


Über Wochen hinweg konnte ein Hacker gestohlene Daten von Politikern, Journalisten und Prominenten ungestört verbreiten. Nun wird Kritik am zuständigen Bundesamt für IT-Sicherheit laut. 

Die Veröffentlichung personenbezogener Daten von Hunderten Politikern und Prominenten im Internet ist in der für IT-Sicherheit zuständigen Behörde nach deren Angaben wochenlang unbemerkt geblieben. Erst in der zurückliegenden Woche habe das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) von dem Datenklau erfahren, erklärte die Behörde. Nach ersten Hinweisen Anfang Dezember 2018 seien alle Beteiligten noch von einem Einzelfall ausgegangen. Politiker von SPD und Grünen stellten infrage, ob die Behörde schnell genug reagiert habe. Justizministerin Katarina Barley von der SPD sagte der „Welt am Sonntag“, sie lasse strengere Sicherheitsvorgaben für Software-Hersteller und Betreiber von Internet-Plattformen prüfen.

Alle Parteien betroffen – außer die AfD

Am Freitag war bekanntgeworden, dass personenbezogene Daten wie Mobilfunknummern und Email-Adressen deutscher Politiker, Journalisten und anderer Prominenter im Internet verbreitet worden waren. Von einem Twitter-Account wurden seit Anfang Dezember zunächst personenbezogene Daten Prominenter veröffentlicht. Am 20. Dezember wurden über den Account dann Namen und Handynummern von FDP-Politikern verbreitet. In den Tagen bis Heiligabend folgten Daten Hunderter Politiker der Linken, der Grünen, der SPD und der Union. Von den Bundestagsparteien war nur die AfD nicht betroffen.

Erst am 3. Januar gingen die Daten an eine breitere Öffentlichkeit, als sie über den gehackten Twitter-Account eines prominenten Youtubers mit über zwei Millionen Anhängern erneut verschickt und beworben wurden. über die möglichen Motive des Hackers, wie er sie einem Youtuber schilderte, der in dem Fall vermittelte.

Sondereinheit ermittelt mit dem BKA

Bislang ist nicht bekannt, ob die Daten durch das Eindringen in Computernetzwerke erlangt oder widerrechtlich weitergeleitet wurden. Die Ermittlungen führt eine Sondereinheit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, die Zentralstelle zur Bekämpfung der Computer- und Internetkriminalität. „Wir arbeiten mit Hochdruck an den Ermittlungen“, sagte ein Sprecher. Die Untersuchungen liefen gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt.

„Nach derzeitigem Erkenntnisstand handelt es sich überwiegend um Angriffe auf private und persönliche Accounts der Betroffenen“, erklärte das BSI. Ein Mitglied des Deutschen Bundestages habe die Behörde zwar Anfang Dezember über fragwürdige Bewegungen auf privaten E-Mail- und Social-Media-Accounts informiert. Von einem Zusammenhang mit den am Donnerstag über einen Twitter-Account veröffentlichten Daten habe das BSI aber bis zur Nacht vom 3. auf den 4. Januar keine Kenntnis gehabt. Erst durch das Bekanntwerden der Veröffentlichung habe das BSI diesen und vier weitere Fälle in diesen Zusammenhang stellen können.

Scharfe Kritik am BSI

Die Grünen-Politikerin Tabea Rößner sagte dem „Handelsblatt“, wenn das BSI schon länger von dem Datenklau gewusst habe, sei es „unerklärlich und verantwortungslos, dass das BSI erst so spät tätig wurde“. Zahlreiche Betroffene hätten vom Datenklau erst erfahren, als sie von wildfremden Leuten angerufen worden seien. Das BKA hatte erst vom Büro des ehemaligen Kanzlerkandiaten Martin Schulz von der Sachlage Kenntnis erlangt. Der SPD-Digitalpolitiker Jens Zimmermann nannte es deswegen „maximal unbefriedigend“, dass Abgeordnete durch Medien oder über Umwege aus Sicherheitskreisen informiert worden seien. Die zuständigen Behörden müssten gemeinsam mit Betroffenen auch die private Kommunikation besser schützen.

Das BSI verwies indes darauf, dass die Behörde zuständig sei für den operativen Schutz der Regierungsnetze: „Für die Absicherung parteilicher oder privater Kommunikation von Mandatsträgern kann das BSI nur beratend und auf Anfrage unterstützend tätig werden.“ Innenminister Horst Seehofer hatte erklärt, es deute vieles darauf hin, „dass Daten durch die missbräuchliche Nutzung von Zugangsdaten zu Clouddiensten, zu E-Mail-Accounts oder zu sozialen Netzwerken erlangt wurden“. Es gebe keine Indizien dafür, dass Systeme des Bundestages oder der Bundesregierung „kompromittiert worden sind“.

BSI-Präsident Arne Schönbohm zufolge geht es um „rund 1000 Personendaten, die wir hier haben. Teilweise sind es Vorname, Nachname und die Email-Adresse, die Sie wie in einem Telefonbuch auch öffentlich bekommen können.“ Teilweise seien es aber auch „inhaltlichere Daten“, wie etwa Personalausweis oder Bewerbungsschreiben. Laut Schönbohm, der sich am Freitag beim TV-Sender Phoenix äußerte, lässt sich Datenklau nicht gänzlich verhindern. „Ich glaube, das ist ein normales Einhergehen mit der Digitalisierung, dass wir immer auch erfolgreiche Angriffe haben. Wir haben auch jeden Tag eine Vielzahl von Wohnungseinbrüchen.“ 

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