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Kultur - 10.05.2019

Ausstellung zeigt die vielen Gesichter Ost-Berlins

Ost-Berlin war Hauptstadt und Machtzentrum der DDR, aber auch ein Ort der Subversion. Das Alltagsleben in den 1970er und 1980er Jahren fängt die Ausstellung „Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt“ im Ephraim-Palais ein.

  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Haus der Statistik

    Bauarbeiter montieren im August 1969 die Leuchtschrift auf dem Haus der Statistik, das ab 1968 zur Restrukturierung des Alexanderplatzes nach sozialistischen Idealen entstand. Es beherbergte die Zentralverwaltung für Statistik und Abteilungen der Stasi, nach der Wende das Statistische Bundesamt und die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Eine Grundsanierung ist geplant.

  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Schoko-Board

    Der Germina Speeder von 1987 war das einzige in der DDR produzierte Skateboard. Wegen des Herstellers, des Volkseigenen Betriebs (VEB) Schokoladen-Verarbeitungsmaschinen Wernigerode aus dem Kombinat Nahrungs- und Genussmittel Maschinenbau, wurde es als „Schoko-Board“ verspottet. Mit seinem lackierten Deck und den zu schmalen Rollen und Achsen war es zum Skaten ungeeignet.

  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Proletarisches Militär

    Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse waren eine paramilitärische Organisation von Beschäftigten in Volkseigenen Betrieben, Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, Hochschulen und anderen staatlichen Einrichtungen. Mehrmals im Jahr kamen sie in ihrer Freizeit zu Militärübungen zusammen und schworen, die sozialistischen Errungenschaften der SED mit der Waffe zu verteidigen.

  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Klassiker in Bauhaus-Tradition

    Manche DDR-Möbel sind heute Designklassiker, vor allem, wenn sie durch die schlichte Bauhaus-Eleganz beeinflusst sind. Der frühere Bauhaus-Student Selman Selmanagić schuf für den VEB Deutsche Werkstätten Hellerau diesen Armlehnstuhl von 1957. Der deutsche Architekt bosnischer Abstammung war Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, bevor er in den VEB nach Dresden wechselte.

  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Zwischen DDR-Baukunst und Enteignung

    Von der Karl-Marx-Allee sind der Berliner Dom, das Rote Rathaus und der Fernsehturm zu sehen. Die in den 1950er Jahren gebauten, von Sozialistischem Klassizismus und Schinkelschule geprägten Arbeiterpaläste sollten in der damaligen Stalinallee die Ingenieurskunst der DDR demonstrieren. Hier schritt jährlich die Ehrenparade der Nationalen Volksarmee entlang. Heute tobt eine Enteignungsdebatte.

    Autorin/Autor: Torsten Landsberg


  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Haus der Statistik

    Bauarbeiter montieren im August 1969 die Leuchtschrift auf dem Haus der Statistik, das ab 1968 zur Restrukturierung des Alexanderplatzes nach sozialistischen Idealen entstand. Es beherbergte die Zentralverwaltung für Statistik und Abteilungen der Stasi, nach der Wende das Statistische Bundesamt und die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Eine Grundsanierung ist geplant.

  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Schoko-Board

    Der Germina Speeder von 1987 war das einzige in der DDR produzierte Skateboard. Wegen des Herstellers, des Volkseigenen Betriebs (VEB) Schokoladen-Verarbeitungsmaschinen Wernigerode aus dem Kombinat Nahrungs- und Genussmittel Maschinenbau, wurde es als „Schoko-Board“ verspottet. Mit seinem lackierten Deck und den zu schmalen Rollen und Achsen war es zum Skaten ungeeignet.

  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Proletarisches Militär

    Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse waren eine paramilitärische Organisation von Beschäftigten in Volkseigenen Betrieben, Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, Hochschulen und anderen staatlichen Einrichtungen. Mehrmals im Jahr kamen sie in ihrer Freizeit zu Militärübungen zusammen und schworen, die sozialistischen Errungenschaften der SED mit der Waffe zu verteidigen.

  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Klassiker in Bauhaus-Tradition

    Manche DDR-Möbel sind heute Designklassiker, vor allem, wenn sie durch die schlichte Bauhaus-Eleganz beeinflusst sind. Der frühere Bauhaus-Student Selman Selmanagić schuf für den VEB Deutsche Werkstätten Hellerau diesen Armlehnstuhl von 1957. Der deutsche Architekt bosnischer Abstammung war Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, bevor er in den VEB nach Dresden wechselte.

  • Ausstellung: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt

    Zwischen DDR-Baukunst und Enteignung

    Von der Karl-Marx-Allee sind der Berliner Dom, das Rote Rathaus und der Fernsehturm zu sehen. Die in den 1950er Jahren gebauten, von Sozialistischem Klassizismus und Schinkelschule geprägten Arbeiterpaläste sollten in der damaligen Stalinallee die Ingenieurskunst der DDR demonstrieren. Hier schritt jährlich die Ehrenparade der Nationalen Volksarmee entlang. Heute tobt eine Enteignungsdebatte.

    Autorin/Autor: Torsten Landsberg


Die Berliner Ausstellung zeigt ein Foto auf dem eine alte Dame zu sehen ist. Sie hält ein vergilbtes S-Bahnticket in der Hand. Daneben hängt eine Tafel mit ihrer Geschichte, die von einem Besuch in West-Berlin erzählt – am 12. August 1961. Spät am Abend sei sie mit diesem Ticket nach Hause gefahren, in den Osten, nicht ahnend, dass es für Jahrzehnte ihr letzter Besuch bei den Verwandten im Westen gewesen sein sollte. Am nächsten Tag begann die DDR mit dem Mauerbau.

Berührende Schicksale sind nur eine Nuance der Ausstellung „Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt“, die am 11. Mai 2019 im Berliner Ephraim-Palais eröffnet. In ihrem Mittelpunkt steht knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall, wie die Menschen in der Hauptstadt der DDR gelebt, also: gewohnt, gearbeitet, konsumiert und gefeiert haben.

Mauerbau als Randnotiz

„Die Stadt hatte viele Gesichter“, sagt Jürgen Danyel, Kurator der Ausstellung und stellvertretender Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, deshalb gebe es auch viele Perspektiven zu entdecken. „Ost-Berlin war politisch der Stellvertreter der DDR, aber auch das Eldorado der Subkultur. Zwischen diesen Polen gibt es eine Gesellschaft zu finden.“

Der Mauerbau ist eine Randnotiz der Schau, weil es aus Sicht der Beteiligten bereits genug Anlaufstellen für diesen Themenkomplex gebe. Die Poster, Fotos, Skizzen und Malereien zeugen von vibrierenden kulturellen Milieus und ihren Versuchen, die festgelegten Grenzen zu dehnen und in einem auf Gleichheit getrimmten System Freiräume für Individualität zu schaffen.

Das Sport- und Erholungszentrum in Ost-Berlin

Die Ausstellung würdigt, dass die Menschen trotz Stasi und Ausreiseverbot ein normales Alltagsleben führten, und blickt dabei in die 1970er und 1980er Jahre mit ihrer Umgestaltung des Ost-Berliner Zentrums als baulicher Entwurf einer modernen sozialistischen Hauptstadt. Parallel entwickelten sich immer mehr Subkulturen, die sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen versuchten. Irgendwann war die staatliche Kontrolle überfordert. Auftritte von Systemfeinden wie Depeche Mode 1988 oder Bruce Springsteen, zu dem im selben Jahr 160.000 Zuschauer strömten, waren nur die prominentesten Vorboten der politischen Umwälzungen.

Unterschiedliche Systeme, ähnliche Bedürfnisse

In einer Stadt, die auch 30 Jahre nach dem Ende ihrer Teilung noch nicht recht zusammengewachsen ist und nach so etwas wie Identität sucht, begleitet und erschwert durch einen rasanten Wandel samt eines enormen Bevölkerungswachstums, kann eine Ausstellung wie diese zum historischen Verständnis beitragen. Sie belegt auch, dass die Unterschiede der politischen Systeme groß waren, die Bedürfnisse und die Lebenswirklichkeit der Menschen im Alltag auf Ost- und Westseite der Mauer sich aber gar nicht so sehr voneinander unterschieden.

Auf den Stufen hoch in die drei Stockwerke des Museums stehen Begriffe, die Mitarbeiter der Ausstellung mit Ost-Berlin verbinden: „Kontrolle“, „Schwarztaxi“, „Schlange stehen“. Manche Begriffe können nicht auf Ost-Berlin beschränkt werden und hatten auch jenseits der Mauer Geltung: „Getrennte Familien“, „Freie Parkplätze“, „Bulette“, „Schrippe“, „Baulücken“.

Osten ambivalenter als der Westen

Die Ursprungsidee zur Schau basiere auf einer anderen Ausstellung im Ephraim-Palais, erzählt Paul Spies, Vorstand und Direktor des Stadtmuseums Berlin: Als er 2016 neuer Direktor der Stiftung Stadtmuseum wurde, habe er mit Blick auf die soeben beendete Ausstellung „West:Berlin“ nach einer Fortsetzung über den Ostteil gefragt. „Die Komplexität in der Auseinandersetzung mit Ost-Berlin ist größer“, sagt Spies. Den Westteil könne man nostalgisch zeigen und erzählen, der Osten sei dagegen ambivalenter. „Da geht es schnell um Ostalgie und die Sehnsucht nach etwas, das nicht positiv war.“ Die einst geteilte Stadt müsse historisch aber im Gleichgewicht betrachtet werden.

Umrahmt wird die sechsmonatige Ausstellung von einer umfangreichen Veranstaltungsreihe mit Lesungen, Stadtspaziergängen, einer Revue in der Volksbühne, Filmabenden im Kino Babylon, Diskussionsrunden, einem Online-Reiseführer und -Blog. „Die Besucher sollen Lust bekommen, sich die Stadt anzusehen“, sagt Kurator Jürgen Danyel, der auch das begleitende Buch „Ost-Berlin – 30 Erkundungen“ herausgegeben hat.

Die Ausstellung „Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt“ eröffnet am 11. Mai und läuft bis zum 9. November 2019, dem 30. Jahrestag der Maueröffnung.

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