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Kultur - 07.06.2019

Der Tenor-Titan: Luciano Pavarottis Lebensgeschichte im Kino

In der Doku „Pavarotti“ porträtiert Oscarpreisträger Ron Howard den 2007 verstorbenen Tenor. Stoff dafür bietet der Mann mit der Jahrhundertstimme genug.

Bis zu 100.000 Menschen hatten sich am 8. September 2007 auf dem Domplatz von Modena versammelt, der Heimatstadt von Luciano Pavarotti. Zwei Tage zuvor war der „Tenorissimo“ einer Krebserkrankung erlegen. Weltweit wurde die Trauerfeier in der Kathedrale im Fernsehen übertragen, während zum Ende der Messe die Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe über dem Dom kreiste und das Rot, Weiß und Grün der Trikolore in den Himmel malte. Es war die Beerdigung eines Königs, da waren sich die italienischen Kommmentatoren einig.

Trauerfeier für Luciano Pavarotti 2007 in der Kathedrale von Modena

Pavarotti stammte aus armen Verhältnissen

1935 wurde Pavarotti als Sohn eines Bäckers und einer Tabakarbeiterin in Modena geboren. Ja, seine Mutter arbeitete in einer Tabakfabrik. Ganz so, wie Carmen in Bizets gleichnamiger Oper. Ein fast unglaubwürdiges Detail in der Biografie des später zu den größten Operntenören der Welt zählenden Pavarotti. Der arbeitete kurzzeitig als Grundschullehrer, bevor er sich entschied, seine Stimme ausbilden zu lassen und schließlich Gesang studierte. Als Rodolfo in „La Bohème“ betrat er 1961 erstmals die Opernwelt. Schon ein Jahr danach erregte er Aufmerksamkeit in der bittersüßen Rolle des Edgardo in Donizettis „Lucia die Lammermoor“, der Oper, die ihm mit Auftritten in den USA und Australien den internationalen Durchbruch bescherte.

Die drei Tenöre

Pavarotti soll mehr als 20,8 Millionen Tonträger verkauft haben

Seither strahlte Pavarottis Stern hell am Opernhimmel und bald nicht mehr nur dort: Pavarotti wurde zum ersten Klassikkünstler, der mit CD-Verkäufen die Pop-Charts stürmte. 1990 schließlich machte die Fußballweltmeisterschaft in Italien nicht nur Deutschland zum Weltmeister, sondern auch Pavarotti zum Weltstar: Ein Konzert in Rom im Rahmenprogramm der WM wurde zum globalen Medienereignis. Der gemeinsame Auftritt mit Plácido Domingo und José Carreras als die „Drei Tenöre“ verkaufte sich allein bis Mitte der 1990er-Jahre zehn Millionen Mal. Pavarottis Arie daraus entwickelte sich zur Hymne der Weltmeisterschaft.

Die Drei Tenöre: Jose Carreras, Luciano Pavarotti und Placido Domingo 1998 bei der Fußball-WM in Paris

Popstar und Gesamtprodukt

Manch ein Fußballfan mag zunächst gedacht haben, da stehe Bud Spencer auf der Bühne. Vollbart und füllige Figur waren Markenzeichen des Tenors wie auch des Schauspielers. Die Leibesfülle wurde zusehends zum Problem. Spätestens ab den frühen 1990ern litt Pavarotti unter gesundheitsgefährdendem Übergewicht. Immer wieder fielen Konzerte aus, mussten Opernauftritte abgesagt werden. Doch wenn „The Big P“ in dieser Phase trotzdem zu hören war, bescheinigten ihm Kritiker seiner Stimme weiterhin tenoralen Glanz, Timbre und Strahlkraft oder „lyrischen Schmelz, gleichwohl metallisch durchschlagend“, wie etwa die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb. 

Der Tenor stand auch mit Elton John und Sting auf der Bühne

Pavarotti kannte keine Berührungsängste. Er scheute sich nicht davor, mit seiner Ausnahmestimme auch Pop-Produktionen, etwa mit Sting, Elton John oder Bon Jovi, zu veredeln. Mehrfach widmete er solche Duette karitativen Zwecken, etwa Kinderhilfsprojekten in Afghanistan, Guatemala oder dem Kosovo. Daneben drohte die recht aggressive Vermarktung der Marke Pavarotti, die auch einem Parfüm seinen Namen gab, den Blick auf den Künstler zu verstellen.

Eine Jahrhundertstimme 

Posieren fürs Hochzeitsalbum: Luciano Pavarotti und Ehefrau Nicoletta Mantovani und Tochter Alice 2003 nach ihrer Trauung

2006 machte Pavarotti seine Erkrankung an Bauspeicheldrüsenkrebs öffentlich, an deren Folgen er am 6. September 2007 im Alter von 71 Jahren starb. Es folgte ein hässlich medial ausgetragener Streit um das millionenschwere Erbe zwischen seinen Töchtern aus erster Ehe und der zweiten, 35 Jahre jüngeren Ehefrau Nicoletta.

Lauter als dies tönt indes der Nachhall der Jahrhundertstimme Pavarottis, der „mit seinem „Talent das göttliche Geschenk der Musik geehrt habe“, wie es im Beileidsschreiben von Papst Benedikt XVI. hieß, das auf der Trauerfeier in Modena verlesen wurde.

Jetzt kommt Ron Howards Dokumentarfilm über den unvergesslichen Tenor in die Kinos. 

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