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Kultur - 13.12.2018

Die deutsche Volksmusik-Ikone Heino wird 80

Schwarze Sonnenbrille, blondes Haar: Heino ist Deutschlands berühmtester Volksmusikstar und eine Kultfigur. „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ ist nicht das einzige musikalische Denkmal, das er sich gesetzt hat.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Der Junge mit der Gitarre

    Heinos Karriere beginnt 1967. Mit beherzter Stimme schmettert er fröhliche Volksmusikschlager ins Mikrofon – und schon pflastert ein Hit nach dem anderen seinen Weg. Lieder wie „Karamba, Karacho, ein Whisky“, „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ oder „Die Schwarze Barbara“ spielen den Deutschen eine musikgewordene Heimatfilm-Idylle vor: eine heile Welt in den bewegten Umbruchzeiten der späten 1960er.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Der einzig „wahre Heino“

    Der Berliner Punksänger Norbert Hähnel (oben Mitte, mit Fans) tritt in den 1980er Jahren als „Der wahre Heino“ auf – auch im Vorprogramm der Punk-Band „Die Toten Hosen“. Das gefällt dem echten Heino überhaupt nicht. Er zieht vor Gericht und erwirkt tatsächlich eine einstweilige Verfügung. Hähnel darf nicht mehr als Heino-Double auftreten. Macht aber nichts, Tausende andere machen es – bis heute.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Eigenes Café im Kurort

    Der Kurort Bad Münstereifel bekommt 1996 eine kleine Attraktion: Der Volksmusikstar eröffnet ein Café. Damit erfüllt sich der gelernte Bäckermeister einen großen Wunsch. Manchmal tritt er in seinem mit Heino-Devotionalien eingerichteten Rathaus-Café auf, legt in der Backstube selbst Hand an oder singt auch schon mal vor dem Café für einen guten Zweck. 2012 muss das Café einem Outlet-Store weichen.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Karamba, Karacho – in Wacken!

    2013 hat der damals fast 75-Jährige das Bühnenerlebnis seines Lebens. In Wacken steht er plötzlich 75.000 Metalheads gegenüber. Zusammen mit Rammstein trällert er deren Hit „Sonne“ – und wirkt ein wenig überfordert. Die Einladung zum gemeinsamen Auftritt ist Rammsteins Antwort auf Heinos Coverversion von „Sonne“, zu hören auf seinem Album „Mit freundlichen Grüßen“ von 2013.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Neuer Stern am Metal-Himmel

    Wacken hat Heino auf den Geschmack gebracht. 2014 kommt sein Album „Schwarz blüht der Enzian“. Kann man den Mann jetzt noch ernst nehmen? Im Video zum Titelsong gibt er den düsteren Verkünder, der seinen Smash-Hit „Blau blüht der Enzian“ von 1972 in metallenen Mollakkorden auf harten Gitarrenbrettern serviert. Im Publikum junge Grufties und rockende Greise. Heino hat die Selbstironie entdeckt.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Wie ein Eis im Sonnenschein

    Als Held der deutschen Volksmusik hat Heino schon längst abgedankt. Nicht so als Ikone und Kultfigur – und er wirkt jugendlicher als in seinen besten Schlagerzeiten. Als 2015 die Eismarke „Langnese“ 80 Jahre alt wird, macht Heino Werbung für das Kulteis „Dolomiti“ – natürlich mit Sonnenbrille und einer Coverversion des Langnese-Werbesongs „Like Ice in the Sunshine“.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Zurück zu den Wurzeln

    In letzter Zeit wird der Heimatbegriff in Deutschland sehr oft strapaziert. Zeit für Heino, sich wieder an seine volksmusikalischen Wurzeln zu erinnern. So posiert er anlässlich eines Heimatkongresses im März 2018 mit der nordrhein-westfälischen Heimatministerin Ina Scharrenbach und einem Heino-Album aus dem Jahr 1981: „Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder“.

    Autorin/Autor: Silke Wünsch


  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Der Junge mit der Gitarre

    Heinos Karriere beginnt 1967. Mit beherzter Stimme schmettert er fröhliche Volksmusikschlager ins Mikrofon – und schon pflastert ein Hit nach dem anderen seinen Weg. Lieder wie „Karamba, Karacho, ein Whisky“, „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ oder „Die Schwarze Barbara“ spielen den Deutschen eine musikgewordene Heimatfilm-Idylle vor: eine heile Welt in den bewegten Umbruchzeiten der späten 1960er.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Der einzig „wahre Heino“

    Der Berliner Punksänger Norbert Hähnel (oben Mitte, mit Fans) tritt in den 1980er Jahren als „Der wahre Heino“ auf – auch im Vorprogramm der Punk-Band „Die Toten Hosen“. Das gefällt dem echten Heino überhaupt nicht. Er zieht vor Gericht und erwirkt tatsächlich eine einstweilige Verfügung. Hähnel darf nicht mehr als Heino-Double auftreten. Macht aber nichts, Tausende andere machen es – bis heute.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Eigenes Café im Kurort

    Der Kurort Bad Münstereifel bekommt 1996 eine kleine Attraktion: Der Volksmusikstar eröffnet ein Café. Damit erfüllt sich der gelernte Bäckermeister einen großen Wunsch. Manchmal tritt er in seinem mit Heino-Devotionalien eingerichteten Rathaus-Café auf, legt in der Backstube selbst Hand an oder singt auch schon mal vor dem Café für einen guten Zweck. 2012 muss das Café einem Outlet-Store weichen.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Karamba, Karacho – in Wacken!

    2013 hat der damals fast 75-Jährige das Bühnenerlebnis seines Lebens. In Wacken steht er plötzlich 75.000 Metalheads gegenüber. Zusammen mit Rammstein trällert er deren Hit „Sonne“ – und wirkt ein wenig überfordert. Die Einladung zum gemeinsamen Auftritt ist Rammsteins Antwort auf Heinos Coverversion von „Sonne“, zu hören auf seinem Album „Mit freundlichen Grüßen“ von 2013.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Neuer Stern am Metal-Himmel

    Wacken hat Heino auf den Geschmack gebracht. 2014 kommt sein Album „Schwarz blüht der Enzian“. Kann man den Mann jetzt noch ernst nehmen? Im Video zum Titelsong gibt er den düsteren Verkünder, der seinen Smash-Hit „Blau blüht der Enzian“ von 1972 in metallenen Mollakkorden auf harten Gitarrenbrettern serviert. Im Publikum junge Grufties und rockende Greise. Heino hat die Selbstironie entdeckt.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Wie ein Eis im Sonnenschein

    Als Held der deutschen Volksmusik hat Heino schon längst abgedankt. Nicht so als Ikone und Kultfigur – und er wirkt jugendlicher als in seinen besten Schlagerzeiten. Als 2015 die Eismarke „Langnese“ 80 Jahre alt wird, macht Heino Werbung für das Kulteis „Dolomiti“ – natürlich mit Sonnenbrille und einer Coverversion des Langnese-Werbesongs „Like Ice in the Sunshine“.

  • Heinos Karriere: vom Volksmusiker zum Metaller

    Zurück zu den Wurzeln

    In letzter Zeit wird der Heimatbegriff in Deutschland sehr oft strapaziert. Zeit für Heino, sich wieder an seine volksmusikalischen Wurzeln zu erinnern. So posiert er anlässlich eines Heimatkongresses im März 2018 mit der nordrhein-westfälischen Heimatministerin Ina Scharrenbach und einem Heino-Album aus dem Jahr 1981: „Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder“.

    Autorin/Autor: Silke Wünsch


Seit 1967 ist Heino das berühmteste Gesicht des deutschen Schlagertums. Und zwar bis heute. Während seine Kollegen von damals entweder gar nicht mehr unter den Lebenden weilen oder sich altersbedingt äußerlich stark verändert haben, ist er seinem ikonischen Abbild treu geblieben: Sehr helle Haare und eine sehr dunkle Sonnenbrille – die er aufgrund einer Augenkrankheit tragen muss. Egal ob er einen schlichten Rollkragenpullover mit Jackett trägt oder sich totenkopfberingt in eine schwarze Lederjacke wirft.

Heino ist nicht nur bei Schlagerfans Kult. Nahezu jeder in Deutschland kennt ihn. Die, die man heute „Best Agers“ nennt, sind mit seinen Liedern zwangsläufig aufgewachsen, weil diese in den elterlichen Wohnstuben aus den Kofferradios und Musiktruhen schallten. Die nächste Generation hat ihn neben Dieter Bohlen in der Jury der TV-Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ gesehen und kennt seine Handywerbung („So schnell, schnell, schnell ist das LTE“). Fans so ziemlich jeder bekannten deutschen Rockband wissen, dass Heino von den Ärzten bis Rammstein alles gecovert hat, was ihm in die Finger kam – und dass er in Wacken auf der Bühne stand, beim größten Metal-Festival der Welt.

Ein richtig harter Junge: Metal-Gruß mit Totenkopf

„Die Lieder können doch nichts dafür“

Man weiß auch, dass Heino, der eigentlich Heinz Georg Kramm heißt, schon mal Volksweisen sang, die auch gerne von den Nazis geschmettert wurden. Darauf angesprochen, meint er: „Die Lieder können doch nichts dafür.“ Auch bekannt ist, dass Heino 1983 und 1986 eine Tournee durch Südafrika machte – als das Land noch unter dem Apartheidsregime stand und international geächtet war. Und auch diese Geschichte kennt man: 1993 nahm er das „Deutschlandlied“ auf – also die deutsche Nationalhymne – allerdings mit allen drei Strophen, somit auch mit der, die im Dritten Reich gesungen wurde („Deutschland, Deutschland über alles“).

2013 bringt er in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ein Hitlerzitat. Auf eine Frage zu seiner damals neuesten Platte sagte er: „Wenn ich jetzt umfalle und tot bin, dann ist es das letzte Album gewesen. Das weiß man nicht. Aber noch bin ich ja hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie ein Windhund.“ Eine etwas unglückliche Wortwahl, die er später auch relativiert: Er habe nicht gewusst, dass es sich um ein Hitler-Zitat handele. Den Ruch einer gewissen Sympathie für rechte Gesinnung weist Heino vehement von sich: „Ich bin nicht schwarz-braun, ihr Haselnüsse!“

Seit gut 40 Jahren das Traumpaar der Volksmusik: Heino und Hannelore

Musikalischer Heimatminister

Ob schwarz, braun oder blond – der Mann gehört zur deutschen Volksmusikszene wie kein anderer: Schließlich bewahrt er in einer Zeit, in der sich die halbe Welt in einem kulturellen und gesellschaftlichen Umbruch befindet, ein Stück deutscher Seele. Vor dem Hintergrund der Studentenrevolten der 68er, der Flower-Power-Bewegung und Beat-Revolution, singt der damals 30-Jährige von Heimat, Bergen, Tälern und Wäldern, von Enzian, Pferden, Indianern und Cowboys. Damit verkauft er in Deutschland mehr Platten als die Beatles. „Ich zeichne in meinen Liedern die heile Welt, weil ich eine heile Welt haben will“, sagt er viel später in einem Interview. 

Solide Stehaufmännchen-Mentalität

Das Konzept hält sich jahrzehntelang, Heino bleibt sich treu. Damit häuft er Musikpreise, Goldene- und Platinschallplatten an. Er hält es aus, dass er ständig parodiert, belächelt und verschmäht wird. Ein deutscher Musikkritiker bezeichnet ihn als „Brechmittel der Generationen“. Sogar im Ausland fällt er auf: Punk-Ikone und Ex-Dead-Kennedys-Sänger Jello Biafra hat, nur um zu dokumentieren, „was für eine unglaubliche Scheißmusik es auf der Welt gibt“, eine komplette Heino-Plattensammlung angelegt. 

Heino lässt sich nicht beirren und zeigt immer wieder seine unerschütterliche Stehaufmännchen-Mentalität. Mit seiner dritten Ehefrau an der Seite – der nicht minder berühmten Hannelore – eröffnet er ein Café in einem Kurort in der Eifel und kredenzt eine ebenfalls kultgewordene Torte – aus schwarzbraunen Haselnüssen, versteht sich. Als das Café nach 16 Jahren einem Outlet-Store weichen muss, geht er nach erstem Grummeln mit den neuen Besitzern eine lukrative Symbiose ein: Er singt fürs shoppende Publikum, das sich dann nach der Schnäppchenjagd in seinem neuen Heino-Café stärken kann.

Für einen echten Metaller muss ein vernünftiges Logo her

Metamorphose als Karriere-Kick

Musikalisch betritt Heino mit über 70 Jahren Neuland: Er entdeckt die Rockmusik für sich. 2013 bringt er ein Album heraus, das die Nation mehr spaltet als eine unbedacht dahingeträllerte Volksweise aus dem Gestapo-Liederbuch: Unter dem Titel „Mit freundlichen Grüßen (Das verbotene Album)“ covert er fröhlich Songs seiner deutschen Pop- und Rock-Kollegen. Die meisten der Betroffenen sind schier entsetzt und versuchen, die Songs zu verbieten. Keine Chance: Wenn gecoverte Lieder 1:1 wiedergegeben werden, ist das alles rechtens, solange die Urheber die Tantiemen erhalten.

Not amused: Die Toten Hosen

Bands wie Oomph! und Ärzte müssen fassungslos mit anhören, wie Heino ihre Hits „Augen auf“ und „Junge“ knödelt. Seine alten Erzfeinde die Toten Hosen sind zwar nicht mit einem Song vertreten, fühlen sich schmerzhaft daran erinnert, dass Heino 20 Jahre zuvor nicht so viel Spaß verstand, als sich die Hosen auf ihre Art über Heino lustig machten: Sie gingen in den 1980ern mit ihrem Punk-Freund Norbert Hähnel in der Rolle des „Wahren Heino“ auf Tour – bis Heino dies per Gerichtsbeschluss verbieten ließ.

Die einzigen, die mit dieser merkwürdigen Heino-Rock-Platte umgehen können, sind die Schwergewichte von Rammstein. Sie laden Heino auf das Metal-Festival in Wacken ein. Vor 75.000 Metallern steht der 74-Jährige stocksteif zwischen wüster Pyrotechnik und 400 Kilowatt Sound-Geballer und singt tapfer die Rammstein-Nummer „Sonne“. In gebührendem Abstand von Till Lindemann, der wirkt, als würde er ihn gleich mit Haut und Haaren verschlingen. Die Metalheadz im Publikum und im Netz sind geteilter Meinung.

Aber Heino hat Blut geleckt. Zumal sein umstrittenes Album auf Platz eins der deutschen Charts gelandet ist. So kommt ein Jahr später die nächste Rockplatte mit dem Titel „Schwarz ist der Enzian“ heraus. 2016 veröffentlicht zur Fußballeuropameisterschaft das Album „Arschkarte“ mit gecoverten Fußballklassikern. 

Heino grinst sich einen zum Abschied

…und Tschüss

Im November 2018 erscheint schließlich Heinos Abschiedsgeschenk – für seine Fans und auch für seine Feinde. Denn hier covert er nochmal was das Zeug hält: Unter anderem auch „Tage wie diese“ von den Toten Hosen und den Rammstein-Titel „Engel“. Letzteren muss er angeblich in letzter Minute von der Platte nehmen: Das sei mit Rammstein nicht abgesprochen gewesen. Ein kleiner PR-Gag, um den Verkauf des Albums zu pushen? Der aufmerksame Leser weiß doch, das 1:1 Covern erlaubt ist…

Mit dem Album „…und Tschüss“ geht Deutschlands berühmtester Volksbarde im März 2019 auf eine Abschiedstournee – dann wird er in Ruhe seinen Lebensabend genießen, mit seiner Frau Hannelore, die seit ihrer Hochzeit 1979 nicht von seiner Seite weicht, und der man auch nachsagt, dass sie ihren Mann zu dem gemacht hat, was er heute ist: Eine „coole Sau“.

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