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Sport - 14.06.2019

Birgit Prinz wird immer noch gebraucht

Die Rekordnationalspielerin Birgit Prinz hilft der deutschen Nationalmannschaft der Frauen bei der WM auf ihre ganz eigene Weise.

Gut lachen. Birgit Prinz (links) mit Torhüterin Merle Frohms.

Im Training deutete Birgit Prinz an, warum sie die erfolgreichste Torschützin der deutschen Nationalmannschaft ist. Leicht nach vorne gebeugt dribbelte sie an der Strafraumkante, schaute ganz kurz hoch und zog ab. Torhüterin Almuth Schult konnte den harten Flachschuss gerade noch abwehren. Gleich nahm sich Prinz den nächsten Ball und dribbelte wieder los.

Das Kicken auf dem Platz ist für die 41-jährige Prinz aber nur ein Nebenjob. Sie ist am vergangenen Montag nicht nach Frankreich gefahren, um die Torhüterinnen zu Beginn des Trainings warmzuschießen. Für die deutsche Nationalmannschaft, die sich gerade in Montpellier auf das dritte Vorrundenspiel der WM gegen Südafrika (Montag, 18 Uhr) vorbereitet, hat Prinz eine viel wichtigere Rolle. Die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg holte sie als Sportpsychologin ins Betreuerteam. Prinz soll die unerfahrenen Spielerinnen bei der WM unterstützen. „Sie ist hoch qualifiziert und hat die Erfahrung von Turnieren. Das bietet einen guten Gesprächsrahmen für viele Themen, die die Spielerinnen beschäftigen“, sagte Voss-Tecklenburg vor der WM.

Tatsächlich kennt Prinz große Turniere so gut wie kaum eine andere. 17 Jahre lang spielte sie für Deutschland und hält mit 214 Spielen den Rekord für die meisten Länderspiele. 2003 und 2007 feierte sie den WM-Titel, fünf Mal wurde sie Europameisterin. Die Quote der Stürmerin im Nationaltrikot ist einmalig: In 214 Spielen erzielte sie 128 Tore. Nebenbei gewann sie drei Mal die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres. Über viele Jahre lang war Prinz das Gesicht des deutschen Frauenfußballs.

2011 trat sie zurück – und ist jetzt wieder da. Voss-Tecklenburg führte vor der WM eine Umfrage bei ihren Spielerinnen durch, ob sie mentale Unterstützung für das Turnier wünschen. Die Mehrheit stimmte dafür. Also erinnerte sich Voss-Tecklenburg an Prinz, mit der sie selber noch zusammengespielt hatte. Denn Prinz hat während ihrer aktiven Karriere ein Psychologiestudium in Frankfurt begonnen und mit einem Diplom abgeschlossen. Einige Zeit nach ihrem Karriereende 2011 fing sie bei der TSG Hoffenheim als Sportpsychologin an, wo sie noch immer arbeitet.

Als Psychologin redet Prinz viel mit den Spielerinnen – mit den Medien eher weniger. Bereits während ihrer Zeit als Spielerin war Prinz keine, die gerne im Fokus der Öffentlichkeit stand. Das hat sich nicht verändert. Im Trainingslager in Grassau wollte sie schon keine Fragen beantworten. „Dafür sind die Spielerinnen da“, sagte sie im Vorbeilaufen auf dem Parkplatz des Hotels. Und auch in Frankreich hält sich Prinz im Hintergrund.

Stürmerinnen werden gebraucht

Also muss man Voss-Tecklenburg fragen, um Genaueres über Prinz‘ Arbeit zu erfahren. Die Bundestrainerin erklärte, dass Prinz in Frankreich für Einzelgespräche bereitstehe und die Spielerinnen selber entscheiden könnten, ob sie die Möglichkeit des Austauschs wahrnehmen. Das Team freute sich über die Berufung von Prinz. „Es tut uns gut, so eine Persönlichkeit und so eine tolle Spielerin dabei zu haben“, sagte Verteidigerin Leonie Maier. Und Svenja Huth lobte im Interview mit dem Tagesspiegel: „Sie ist für unsere Arbeit in der Gruppe ganz wichtig.“ Möglicherweise ist es auch Prinz‘ Verdienst, dass der starke Teamgeist und die hohe Einsatzbereitschaft bei dem deutschen Team bislang besonders auffällig sind. Spielerisch hat die Mannschaft in den ersten zwei Spielen enttäuscht – aber dafür ist Prinz nicht zuständig.  „Was auf dem Platz passiert, wird mit der Bundestrainerin besprochen und analysiert“, sagte Huth vor der WM.

Nur für das Warmschießen von Schult wird Prinz auf dem Platz aktiv – zumindest sieht es von außen so aus. Denn vielleicht hat Prinz ja doch noch den ein oder anderen Tipp für Huth und deren Sturmkollegin Alexandra Popp. Das Turnier geht für das deutsche Team schließlich noch weiter. Durch das 1:0 der Chinesinnen gegen Südafrika am Donnerstag steht Deutschland bereits sicher im Achtelfinale. Und da werden Tore der Stürmerinnen dringend gebraucht. Die bisherigen Treffer für das deutsche Team erzielten mit Giulia Gwinn und Sara Däbritz zwei Mittelfeldspielerinnen.

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