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Sport - 06.02.2019

Der DFB-Pokal sollte ein Vorbild für Europa sein

Europas Funktionäre suchen nach Wegen, den Fußball noch spannender zu machen. Sie sollten einfach auf den DFB-Pokal schauen. Ein Kommentar.

So sehen Achtelfinal-Sieger aus. Bremens Max Kruse jubelt auf den Schultern von Martin Harnik.

An diesem Mittwoch berät das Uefa-Exekutivkomitee, das höchste Gremium des europäischen Fußball-Verbands, bei seiner Sitzung in Rom auch darüber, die Auswärtstor-Regel möglicherweise abzuschaffen. Wer mehr Auswärtstore nach Hin- und Rückspiel erzielt hat, soll künftig nicht mehr weiterkommen. In Zukunft muss der Sieger wohl wirklich insgesamt mehr Tore geschossen haben als der Gegner.

Das mag ein netter kosmetischer Versuch sein, um in den K.-o.-Runden der Champions League und Europa League den Ausgang etwas offener zu gestalten. Wenn die Funktionäre der Uefa ihren Wettbewerben aber wirklich mehr Spannung verleihen wollen, müssen sie sich einfach nur den DFB-Pokal als Vorbild nehmen – das hat das famose Spiel zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen am Dienstagabend noch einmal eindrucksvoll gezeigt.

Aus simplen Regeln entsteht die große Faszination

In diesem einen Spiel ging es um alles. Der Sieger kommt weiter, der Verlierer ist raus. So einfach die Ausgangslage war, so viel Dramatik entwickelte sich daraus. Denn in einem einzigen Spiel hat der Außenseiter viel größere Chancen, den Favoriten zu bezwingen. Selbst wenn er auswärts antreten muss wie Werder Bremen.

Gibt es nur ein entscheidendes Spiel, wird weniger taktiert. So wurden die Bremer ermuntert, sich clevere Ideen auszudenken, um beim Bundesliga-Tabellenführer Tore zu erzielen (so wie bei Milot Rashicas 1:0 nach einem Freistoß) und nicht nur zu mauern. Und so wurden die Dortmunder ermuntert, sich nicht nur auf einen Geistesblitz von Marco Reus zu verlassen (wie beim 1:1), sondern weiter auf ihre offensive Wucht zu setzen (wie beim 2:1 durch Christian Pulisic und beim 3:2 durch Achraf Hakimi). Weil die Bremer allerdings auch wussten, dass sie immer noch auf das Elfmeterschießen hoffen konnten, spielten auch sie weiter nach vorne – und wurden durch die Tore von Claudio Pizarro und Martin Harnik – und dem erfolgreichen Elfmeterschießen – dafür belohnt.

Der DFB-Pokal zieht all seine Faszination aus diesen simplen Regeln. Nur deshalb kommt es zu spektakulären Duellen wie zwischen Dortmund und Bremen. Und nur deshalb besiegen Zwerge wie Heidenheim Riesen wie Leverkusen. Weil sich in einem Spiel alles entscheidet.

Darum sollte die Uefa also lieber darüber nachdenken, bei ihren Wettbewerben nicht die Auswärtstor-Regel abzuschaffen, sondern die Gruppenphase sowie das Hin- und Rückspiel. Dann wären dramatische Duelle von Beginn an garantiert. Aber dann gäbe es eben weniger Spiele zu vermarkten. Es dürfte also ein romantischer Traum bleiben, aber von Träumen lebt der Fußball ja schließlich.

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