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Sport - 2 Wochen ago

Der freche Gast

Hertha BSC spielt am Samstag beim SC Freiburg auch um einen künftigen Platz im Europapokal.

Akrobatisch. Valentino Lazaro und Hertha BSC wollen den Heimsieg gegen Mainz 05 beim SC Freiburg vergolden

Neulich hat Valentino Lazaro in die Zukunft geblickt. Der 22 Jahre alte Fußballprofi von Hertha BSC hat 23 von 24 Spielen dieser Saison durchgespielt und mit seinen Leistungen die Aufmerksamkeit anderer Vereine auf sich gelenkt. Im Winter hatte sich bereits der SSC Neapel mit dem Österreicher beschäftigt und der AC Mailand sogar angefragt. Hertha schob einem Wechsel den Riegel vor. „Ich werde im Sommer sehen, wo wir stehen und wo ich stehe“, sagte Lazaro.

Hertha BSC ist mit einer interessanten Mannschaft in die Spielzeit gegangen, sie begann überraschend stark. Aber die zum Teil noch junge Mannschaft ist auch Schwankungen unterlegen. Gerade der kleine Einbruch zum Ende des vergangenen Jahres hatte Michael Preetz in der Winterpause veranlasst, an das Team zu appellieren. Nach Meinung des Managers sei in dieser Spielzeit mehr drin als Platz acht nach der Hinrunde. Doch auch in der Rückrunde wiederholte sich die Flatterhaftigkeit, einem viel beachteten Auswärtssieg bei Borussia Mönchengladbach folgte eine Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg.

Laufstark trifft auf laufschwach

Doch mit dem Heimsieg am vergangenen Wochenende über Mainz 05 hat Hertha sich etwas herangeschoben an die Europapokalplätze. Vor dem Spiel am Samstag beim SC Freiburg (15.30 Uhr, live bei Sky) sind es für Hertha als Tabellenachter vier Punkte bis zu den Europa-League-Plätzen. „Dafür muss du dort gewinnen“, sagt Pal Dardai. Herthas Trainer weiß um die Schwierigkeit der Aufgabe, Freiburg zählt zu den laufstärksten Team der Liga. Die Berliner selbst zählen zu den läuferisch schwächsten Mannschaften – nur Schalke läuft mit 113,9 Kilometern im Schnitt weniger als Hertha (114,1).

Der letzte Berliner Sieg im Breisgau liegt gut neun Jahre zurück. „Wir gehen dorthin, um zu gewinnen“, sagt Dardai, „wir werden der freche Gast sein. Das Wichtigste ist: Geh hin, sei frech, sei mutig! Du musst alles investieren. Wir werden volles Risiko gehen, um in der Tabelle Meter zu machen.“

Mit dem Spiel in Freiburg biegt die Liga ins letzte Saisondrittel ein. Zehn Spieltage stehen noch aus. Manager Preetz bleibt zwar beim ausgegeben Saisonziel „einstelliger Tabellenplatz“, doch Sportler hätten immer den Anspruch, sich zu verbessern. „30 Punkte sind noch zu vergeben, unser Ziel ist es, so viele wie möglich zu ergattern.“

Christian Streicht: „Das ist jetzt eine gewachsene Mannschaft“

Freiburg zählt zu jener Kategorie von Gegnern, gegen die ein Klub, der in Europa mitspielen will, gewinnen sollte. „Eine Qualifikation für Europa mit Hertha dieses Jahr wäre natürlich toll für mich, den Verein und die Stadt“, sagte Lazaro. Sein Vertrag läuft bis 2021, aber was heißt das heutzutage schon, wo die großen Vereine des Kontinents mit zum Teil gigantischen Summen um sich werfen. Er wolle sich ganz auf Hertha konzentrieren. „Jetzt haben wir Freiburg vor der Brust und hoffen natürlich, dass wir in diesem Spiel auch drei Punkte einfahren können“, sagt Lazaro. „Ich habe es immer gesagt, dass wir das Potenzial haben, die internationalen Plätze zu erreichen.“

Ganz unabhängig von der Vertragssituation des einzelnen Spielers wäre ein internationales Startrecht in der kommenden Spielzeit ein wichtiges Argument. Nicht nur bei Valentino Lazaro. Auch Spieler wie Jordan Torunarigha (21 Jahre, Vertrag bis 2023), Arne Maier (20/2022), Davie Selke (24/2022) oder Niklas Stark (23/2022) sind längst ins Blickfeld größerer Vereine geraten. Ein Spieler von 23 oder 24 Jahren, der sich in der Bundesliga etabliert hat, wird nicht viel länger warten wollen, wenn ein Angebot eines renommierten Vereins kommt, der internationale Spiele garantiert.

„Sie haben an Qualität zugelegt gegenüber vor zwei oder drei Jahren und sie sind sehr ballsicher“, sagte der Freiburger Trainer Christian Streich vor dem Duell mit Hertha. „Das ist jetzt eine gewachsene Mannschaft.“ Pal Dardai wünscht sich, dass das Team noch eine Weile zusammenbleibt. „Wir haben den Jungs viel Erfahrung geschenkt, sie haben immer gespielt, egal, ob sie Fehler gemacht haben. Jetzt kommen sie in ein Alter, wo man fehlerfrei spielen kann“, sagte Dardai. Vielleicht schon in Freiburg.

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