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Sport - 1 Woche ago

Die Eisbären wie im Rausch

Die Eisbären erleben einen großen Abend und gleichen die Play-off-Serie gegen Meister München zum 1:1 aus.

Brendan Ranford trifft zum 3:0 für die Eisbären.

Es war ein Rausch, fast wie in den besten Zeiten der Eisbären. Und es war ein Spiel, in dem nur eine Mannschaft ordentlich Eishockey spielen wollte. Aber schließlich war es ja nicht unwahrscheinlich, dass die Eisbären in ihrer Viertelfinalserie um die deutsche Eishockeymeisterschaft gegen den Meister RB München mal ein Spiel gewinnen würden. Aber so wie am Freitag vor 13 551 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof? Nein, das war vom Ergebnis her eine Überraschung. 4:0 (2:0, 2:0, 0:0) siegten die Berliner. In der nach dem Modus „Best of seven“ gespielten Serie steht es nun 1:1.

Berlins Trainer Stéphane Richer erlebte einen unaufgeregten Abend, der Kanadier strahlte auch auf der Auswechselbank die Ruhe und Entschlossenheit aus, die seine Mannschaft auf dem Eis zeigte. Zwei Tage nur lagen zwischen dem Münchner 3:2-Sieg nach Verlängerung und dieser erstaunlich eindeutigen Darbietung vom Freitag in Berlin. Was in diesen gut 45 Stunden zwischen den beiden Spielen passiert ist? Sicher werden sie in München den mühsam erkämpften, aber dann doch verdienten ersten Erfolg in der Serie so interpretiert haben, dass sie gegen die Eisbären alles in den Griff bekommen sollten im Laufe der Serie. Das war ein Trugschluss. Denn die Berliner haben die Niederlage von München wohl nicht als Rückschlag, sondern als Motivation gesehen.

Am Freitag waren die Eisbären von der ersten Minute an im Spiel, agierten körperlich viel energischer als ihr Gegner. Die Münchner waren nie im Meistermodus. Die Mannschaft von Don Jackson wirkte eher so, als sei sie überrascht vom mutig und wütend agierenden Gegner, der mit Verve in die Zweikämpfe ging. In Überzahl gelang Sean Backman der Führungstreffer für die Berliner. Etwas glücklich erhöhte der flinke Austin Ortega dann sogar auf 2:0, wobei Nationaltorwart Danny aus den Birken dabei nicht gerade glücklich aussah.

Und aus den Birken wurde auch im Mitteldrittel nicht warm mit dem Spiel. Gut, beim dritten Berliner Tor durch Brendan Ranford im Powerplay, da konnte der Torhüter vom Meister nichts machen. Aber kurz darauf ließ er ein Schüsschen von Backman durch die Schoner rutschen und damit war das Spiel natürlich entschieden. Ein 0:4 holst du in einem Drittel gegen die Eisbären zur Zeit nicht auf. Zumal ihr Torwart Kevin Poulin auch wieder einen guten Tag erwischte und verdientermaßen ohne Gegentor blieb.

Jens Baxmann, der alle sieben Meisterschaften mit den Eisbären mit gewinnen durfte, saß als überzähliger Verteidiger auf der Tribüne. Von da aus sah Baxmann immerhin ein „tolles Spiel“, wie er in der zweiten Pause sagte. Seine Kollegen würden alles richtig machen. Ließ sich glatt unterschreiben, das musste wohl auch Don Jackson so sehen. Der einstige Berliner Meistertrainer, fünf Titel gab es unter seiner Regie für die Eisbären, verfolgte das Trauerspiel seiner Mannschaft mit stoischer Frustration. Im zweiten Drittel stand Jackson erstarrt hinter seinen Spielern, der Durchmesser seines Bewegungsradius’ dürfte bei weniger als fünf Zentimetern gelegen haben.

Auch Jacksons Mätzchen helfen nichts

Die Mannschaft von Jackson wirkte uninspiriert wie selten. Sie kassierte insgesamt 82 Strafminuten, darunter waren Spieldauerstrafen gegen Andreas Eder und John Mitchell, und stand sich bei ihren wütenden Angriffen im letzten Drittel dann meist selbst im Wege. Fast acht Minuten vor Schluss nahm Don Jackson seinen Torwart zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Für solch ein Mätzchen ist der US-Amerikaner bekannt. Er hat einmal gesagt: „Statistisch gesehen ist ein Spiel mit drei Toren Rückstand zehn Minuten vor Schluss verloren – also kannst du auch den Torwart vom Eis nehmen.“ Er hätte es sich am Freitag sparen können, es bewirkte nichts.

Aber die Eisbären sollten jetzt nicht den Fehler machen und dieses Ergebnis überbewerten, das war schließlich schon in der Finalserie der vergangenen Saison gegen die Mannschaft aus München so, dass es hin und her ging. Aber der Sieg vom Freitag war für die Berliner in jedem Fall ein Mutmacher für das dritte Spiel der Serie am Sonntag in München.

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