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Sport - 22.01.2019

Halbfinale perfekt: Deutschland, deine Defense

Die Handball-Nationalmannschaft steht zum ersten Mal seit 2007 wieder in einem WM-Halbfinale – vor allem, weil sie grandios verteidigt. Ein Kommentar.

Stark bis zum Schluss: die deutsche Defensive.

Die Reise durch die Republik geht weiter. Nach Berlin und Köln wird Deutschlands Handball-Nationalmannschaft dieser Tage definitiv in der dritten Großstadt vorstellig. Nächste Station: Hamburg. Dort findet am Freitag das Halbfinale der Weltmeisterschaft statt. Dank eines 22:21 (11:11)-Sieges gegen Kroatien am Montagabend ist das Team von Bundestrainer Christian Prokop sicher für die Runde der letzten Vier qualifiziert. Ohne wenn und Laber, wie Handballer gern sagen. Rechenspielchen, wie sie sonst üblich sind zu diesem Zeitpunkt eines Turniers, erübrigen sich bereits vor dem letzten Hauptrunden-Spieltag gegen Spanien am Mittwoch.

Welch großer Erfolg das für den Deutschen Handballbund (DHB) ist, zeigt ein kurzer Blick in die Bücher: Zuletzt stand die Nationalmannschaft vor zwölf Jahren in einem WM-Halbfinale, 2007 im eigenen Land. Seitdem hat es bestenfalls zum Viertelfinale gereicht, obwohl die WM – im Gegensatz zum Fußball – alle zwei Jahre stattfindet und nicht alle vier. Zwölf Jahre – im internationalen Handball eine lange, lange Zeit für so einen großen Verband wie den DHB. Entsprechend groß war der Jubel am Montag zu fortgeschrittener Stunde in der mit 19.250 Menschen ausverkauften Köln-Arena.

Plötzlich funktioniert der siebte Feldspieler

„Das war heute eine ganz harte Prüfung“, sagte Bundestrainer Christian Prokop, „so eine Drucksituation zu bestehen, darauf bin ich unheimlich stolz.“ Er durfte es allemal sein. Der Spielfilm hatte nämlich ein paar Stellen vorgesehen, an denen das Ganze zu kippen drohte: nach der frühen, schweren Verletzung Martins Strobels, des Regisseurs im Angriff. Verdacht auf Kreuzbandriss. Oder in der Schlussphase, als binnen weniger Minuten aus einem 18:15 ein 18:19 wurde. Als Prokop den siebten Feldspieler brachte, der bis dahin so gar nicht funktioniert hatte bei dieser WM und zum Erfolg führte. Oder, oder, oder.

Bei allem Jubel ließ sich eine Erkenntnis allerdings nicht leugnen: dass die grandiose Abwehr die offensichtlichen Schwächen in der Offensive überdeckt. In einer Phase blieben die Deutschen fast zehn Minuten ohne eigenen Treffer. 19 Gegentore im Island-Spiel und nun 21 gegen offensiv gesegnete Kroaten – das sind die Zahlen, an denen sich der WM-Gastgeber bei seinen nächsten Aufgaben messen lassen muss.

Wer nur ab und an mit Handball zu tun hat und einen kleinen Leitfaden für das weitere Turnier braucht, muss sich nur eine Sache merken: je niedriger das Resultat ausfällt, desto höher sind die Erfolgschancen der deutschen Mannschaft.

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