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Sport - 12.06.2019

Leidenszeit will keiner auf der Uhr haben

Die Uhr wies den HSV als Bundesliga-Dauergast aus. Dass sie das Ding nun abmontieren, ist in punkto Selbsteinschätzung ein sinnvoller Schritt. Ein Kommentar

Die berühmte HSV-Uhr, hier noch zu Bundesligazeiten.

Die Uhr soll weg – der riesige Zeitmesser, der einst die Dauermitgliedschaft des Hamburger SV in der Fußball-Bundesliga anzeigte und dann nach 54 Jahren und 261 Tagen gestoppt werden musste. Seit dem Abstieg im Vorjahr zeigte die Stadionuhr im Volksparkstadion die Zeitspanne seit Vereinsgründung (29. September 1887) an. Jetzt aber wird demontiert. Weil der Blick in den Rückspiegel nicht mehr helfe, wie HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann verriet. Geht das so einfach? Uhr in den Keller und damit ist der Ballast der Vergangenheit weggeschlossen?

Sind wir ehrlich, eigentlich war das Ding mit der Stadionuhr von vornherein ein Bumerang. Im Jahr 2001 kamen sie beim letzten Stammgast in der Bundesliga auf die schräge Idee, das per tickender Anzeige prahlend vor sich herzutragen. Wer dann noch einen Dinosaurier als Maskottchen beschäftigt, der bastelt sich so eine enorme Fallhöhe. Nicht wenige Menschen haben darauf gewartet, bis der Dauergast aus dem Bundesliga-Stammlokal geworfen wurde. Die Schadenfreude nach dem Absturz war dementsprechend groß.

Dino in Liga zwei zu werden, ist nicht so schwer

Ein Jahr später sind die Hamburger gebeutelt von einem bitteren Nichtaufstiegsjahr in Liga zwei. Dass sie nun die Uhr verschämt abmontieren, ist in punkto Selbsteinschätzung und Selbstbewusstsein ein sinnvoller Schritt. Das ist Demut. Und die steht dem HSV momentan gut zu Gesicht, denn es gibt nicht viele Menschen die angesichts der Situation um den amtierenden Vorstandschef dem HSV zutrauen, Dauergast in der Zweiten Liga zu werden.

Dort könnten die Hamburger relativ schnell zum neuen Dino werden: Die aktuell dienstälteste Mannschaft ist der VfL Bochum, der seit 2010 ununterbrochen zweitklassig ist. Das ist wenig, in ein paar Jahren könnte der HSV in dieser Hierarchie nach vorn rücken. Aber dafür sollten sie die Stadionuhr nicht aufbewahren in Hamburg, denn die Zeit in der Zweiten Liga ist für den HSV Leidenszeit. Und die will keiner auf der Uhr haben.

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