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Sport - 1 Woche ago

Warum Gianni Infantino die Fifa-Turniere vergrößert

Die Fifa wird am Freitag eine aufgestockte WM 2022 und eine Klub-WM mit 24 Teams auf den Weg bringen. Damit hat sich Fifa-Chef Infantino durchgesetzt.

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat den Ball – und die Fußballwelt im Griff.

Gianni Infantino wird seine Kollegen warten lassen. Wenn das höchste Gremium der Fifa, der Council, an diesem Freitag in einem Luxushotel in Miami zusammenkommt, wird der Präsident des Fußball-Weltverbands erst spät auf die derzeit meist diskutierten Fifa-Themen eingehen. Laut der Sitzungsagenda befasst sich der Council nach zahlreichen Status-Berichten aus all den Fifa-Komitees erst unter Tagesordnungspunkt sechs und neun mit Infantinos zwei wichtigsten Projekten: der Vergrößerung der Klub-WM von sieben auf 24 Mannschaften sowie einer möglichen Aufstockung der WM 2022 von 32 auf 48 Teilnehmer – und auf weitere Ausrichter neben Katar.

Beides scheint Infantino hinter den Kulissen schon mit viel Wucht so weit vorangetrieben zu haben, dass er mit der Zustimmung rechnen kann. Der Schweizer hat sich offenbar durchgesetzt im Machtgerangel mit den Europäern. Seine Argumente – mehr Geld und mehr Starterplätze für alle Konföderationen – waren für die Funktionäre aus aller Welt dann wohl doch zu verlockend.

Die Fifa muss nun noch Co-Gastgeber für Katar finden

Offiziell führt Infantino als Begründung für eine 48er-WM schon in rund drei Jahren vor allem eine Machbarkeitsstudie an – beauftragt von der Fifa. Diese kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass die aufgeblähte WM natürlich möglich wäre. Allerdings nur, wenn Katar das Turnier mit weiteren Gastgeberländern teilt. Dagegen hatten sich die Kataris bislang stets gesträubt, denn mit ihren Nachbarländern Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emirate befinden sie sich in einem erbitterten politischen Streit. Obwohl Infantino am liebsten Saudi-Arabien als Co-Ausrichter sehen würde – von dort winken ihm und der Fifa offenbar immense Sponsorendeals – hat er nun Oman und Kuwait als weitere Gastgeber für die WM 2022 ins Spiel gebracht. Beide gelten in der politischen Blockade Katars durch Saudi-Arabien, Bahrain und VAE als neutrale Staaten. Und beide könnten ein Stadion zur WM beisteuern, was laut Fifa-Studie zusätzlich zu den acht Stadien in Katar wohl schon reichen würde für ein 48er-Turnier.

Zuletzt hatten sich besonders die europäischen Fußball-Verbände gegen Infantinos Vorhaben gestellt. Unter all den Wettbewerbs-Expansionsplänen des 48-Jährigen wollten sie vor allem die sogenannte Global Nations League verhindern – weil die Uefa das weltweite Pendant als Konkurrenz zur eigenen Nations League versteht. Dieses Projekt, das in Zusammenhang mit dem ominösen 25-Milliarden-Dollar-Angebot eines japanischen Konsortiums mit offenbar saudischen Finanziers an die Fifa steht, ist nun wohl vom Tisch. Mit einer größeren WM schon 2022 – vier Jahre später findet das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada sowieso mit 48 Mannschaften statt – und auch einer deutlich größeren Klub-WM alle zwei oder vier Jahre können die Europäer nun allerdings offensichtlich leben.

Die europäischen Council-Vertreter treffen sich an diesem Donnerstag bereits in Miami, um sich abzustimmen. An den Aussagen des DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, der ebenfalls dem Gremium angehört, ist nun schon zu hören, dass sich die Europäer nicht gegen eine 48er-WM stellen würden. „Eine WM-Teilnahme ist der Traum vieler Länder auf der Welt. Deshalb kann ich schon nachvollziehen, dass viele Verbände in der Fifa das 48er Format wollen“, sagte Grindel der Deutschen Presse-Agentur. Das Turnier dürfe aber nicht länger als die bislang geplanten 28 Tage dauern, betonte der 57-Jährige. So läuft nun alles auf folgenden Ablauf hinaus: Das Council wird an diesem Freitag die 48er-WM für 2022 soweit auf den Weg bringen, dass der Fifa-Kongress am 3. Juni die Aufstockung beschließen kann.

Noch konkreter ist die neue Klub-WM. Die Council-Mitglieder dürften in Miami abnicken, dass diese im aufgeblasenen Format mit 24 Vereinen zum ersten Mal im Sommer 2021 statt des bisherigen Confed-Cups ausgetragen wird. Wie viele Mannschaften aus Europa und den anderen Konföderationen teilnehmen, ist noch nicht sicher. Jedoch betonte Grindel, es sei positiv, dass dabei „das Geld im Kreislauf des Fußballs“ bleibe. Das gefällt natürlich allen Funktionären. Und deshalb treibt Infantino seine Pläne weiter munter voran.

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