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Sport - 30.11.2018

Wenn der Fußball vor der Gewalt kapituliert

Argentinien gelingt es, den G-20-Gipfel zu veranstalten, doch an einem Fußballspiel in Buenos Aires scheitert der zweitgrößte Staat Südamerikas. Ein Kommentar.

In Buenos Aires waren Tausende Polizisten im Einsatz, dennoch gab es am Rande der Copa Libertadores große Ausschreitungen.

Wie groß die Probleme des argentinischen Fußballs sind, zeigt ein Blick nach Buenos Aires. Beim G-20-Gipfel empfängt Staatschef Mauricio Macri am Wochenende Donald Trump, Angela Merkel, Xi Jinping und Wladimir Putin. Mit Hilfe Tausender Polizisten und Militärs ist Argentinien in der Lage, das Treffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zu veranstalten. An einem Fußballspiel scheitert der zweitgrößte Staat Südamerikas jedoch. Denn nichts anderes bedeutet das Chaos um das Finale der Copa Libertadores. Der südamerikanische Fußballverband Conmebol hat am Donnerstagabend kapituliert und das Rückspiel um den wichtigsten Klubwettbewerb des Kontinents nach Madrid verlegt.

Im Hinspiel hatten sich die beiden Rivalen aus Buenos Aires, die Boca Juniors und River Plate, 2:2 getrennt. Das Rückspiel im Stadion von River musste am vergangenen Wochenende zweimal abgesagt werden, nachdem Hooligans den Mannschaftsbus von Boca vor dem Stadion angegriffen und dabei mehrere Profis verletzt hatten. Eine Neuansetzung in Argentinien wurde aus Angst vor weiterer Gewalt schnell ausgeschlossen. Auch eine Austragung in einem Nachbarland war der Conmebol wohl zu riskant.

Der „Superclasico“ zwischen Boca und River ist im besten Fall das stimmungsvollste Derby der Welt, manchmal allerdings auch einfach nur eine Schande für den Sport. Schon 2015 wurden Spieler, damals in Reihen von River, durch gegnerische Hooligans verletzt. In der Stadt kommt es rund um das Duell immer wieder zu Ausschreitungen. Eine Verlegung nach Spanien ist aber selbst für argentinische Verhältnisse nichts anderes als eine Kapitulation. Egal, wer in Madrid als Sieger vom Platz geht, die Copa Libertadores 2018 hat nur Verlierer hervorgebracht: Die Fußballer, die friedlichen Fans – und die Argentinier.

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