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Wirtschaft - 14.03.2019

Boeings Krise setzt Trump unter Druck

Die 737 Max 8 bleibt nun auch in den USA am Boden. Der Präsident verhängt ein Startverbot, das Boeing gleichzeitig selbst weltweit empfohlen hat.

Jetzt auch in den USA: Boeing 737 Max 8 müssen am Boden bleiben.

Donald Trump hat eine klare Meinung zu den Problemen beim US-Flugzeugbauer Boeing: „Flugzeuge werden viel zu kompliziert, um sie zu fliegen“, beschwerte sich der US-Präsident am Dienstag auf Twitter. Das sei gefährlich. Statt Piloten brauche man ja heutzutage Computerspezialisten. „Ich will aber nicht, dass Albert Einstein mein Pilot ist.“

Vielleicht wegen dieser grundsätzlichen Skepsis ließ sich Trump Zeit für seine Entscheidung, ob auch die USA ihren Luftraum für die Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max 8 sperren sollten. Erst am Mittwochnachmittag (Ortszeit) verhängte der US-Präsident ein Startverbot. Alle Maschinen dieses Typs müssten mit sofortiger Wirkung am Boden bleiben, erklärte Trump und kündigte eine entsprechende Mitteilung der US-Luftfahrtbehörde FAA an. Nach dem zweiten Absturz dieses Flugzeugtyps innerhalb weniger Monate und hunderten Toten war der Druck groß geworden, es den Behörden in Europa, Australien und weiten Teilen Asiens gleichzutun und alle baugleichen Maschinen aus dem Verkehr zu ziehen.

Gleichzeitig teilte Boeing selbst mit, dass man der FAA ein vorübergehendes Startverbot für alle Flugzeuge der 737-Max-Reihe weltweit empfohlen habe. Betroffen sei „die gesamte weltweite Flotte von 371 737-Max-Flugzeugen“. Boeing betonte aber auch, es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Auch aus der eigenen Partei war Trump bedrängt worden

Mehrere Kongressabgeordnete, auch aus Trumps Republikanischer Partei, hatten zuvor gefordert, den Betrieb der Flugzeuge so lange zu untersagen, bis geklärt sei, ob es ein grundsätzliches Problem mit der Maschine gibt. Auch Flugbegleiter in den USA sprachen sich für ein Startverbot der Max aus, bis die Ursache des Flugzeugabsturzes in Äthiopien feststehe, bei dem am Sonntag 157 Menschen starben.

Und doch zögerte Trump. Immerhin geht es um nichts weniger als das Ansehen der amerikanischen Luftfahrt. So hat sich der Präsident Medienberichten zufolge in einem Telefonat mit Boeing- Chef Dennis Muilenburg zunächst noch beruhigen lassen. Der soll Trump versichert haben, dass die Maschinen absolut sicher seien und er deshalb von einem Startverbot der Maschinen absehen könne.

Auch die FAA, die eigentlich als besonders streng in solchen Fragen auch bei heimischen Flugzeugherstellern gilt, bekräftigte ihre Position noch, als viele Länder bereits gehandelt hatten. Nach Überprüfung aller verfügbaren Daten sehe man keine Grundlage für ein Verbot, erklärte die Luftfahrtbehörde am Dienstag. Die Tests hätten keine grundsätzlichen Probleme bei dem Flugzeugtyp ergeben. Die US-Fluglinien Southwest und American Airlines nutzten ihre Max daher auch weiterhin. Und das, obwohl knapp fünf Monate vor dem Unglück am Sonntag in Äthiopien bereits eine Boeing 737 Max 8 in Indonesien abgestürzt war; dort starben 189 Menschen.

Ist es ein Systemfehler?

Die größte Sorge von Boeing ist es, dass ein Systemfehler bei diesem Flugzeugtyp vorliegt. Dieser könnte sich womöglich mit einem Software-Update rasch korrigieren lassen, es könnten aber auch aufwendige und teure Nachbesserungen fällig werden. Der Imageschaden aber ist so oder so eingetreten – eine gefährliche Entwicklung in einer Branche, die vom Vertrauen ihrer Kunden lebt. Da helfen auch Statistiken wenig, laut derer die Zahl der Todesfälle bei Flugzeugabstürzen seit den 1970er Jahren sinkt und sich seit dem vergangenen Jahr gar auf einem historischen Tiefstand befindet. Oder die, dass es seit zehn Jahren in den USA kein schweres Unglück mehr in der zivilen Luftfahrt gegeben hat.

Die Aktie des Boeing-Konzerns, der jedes Jahr Millionen Dollar für Lobbyarbeit in Washington ausgibt, war bis Mittwoch bereits kräftig gefallen. Die derzeitige Krise stellt eine der größten Bewährungsproben für Konzernchef Muilenburg dar. Die Entscheidung von Mittwoch war überfällig.

Aber auch für Trump, der selbst immer wieder mit einer Boeing 747 namens „Air Force One“ um die Welt fliegt, stand viel auf dem Spiel. Der weltgrößte Flugzeugbauer beschäftigt zehntausende Menschen, auch viele Zulieferer sind von der Entwicklung bei Boeing abhängig. Eine erneute Krise bei dem Konzern wäre keine gute Nachricht für den Präsidenten, der sich so gern mit den wirtschaftlichen Erfolgen seines Landes brüstet. Gleichzeitig durfte er aber auch nicht als derjenige dastehen, der die Sicherheit seiner Bürger aufs Spiel setzt.

Kanada hatte zuvor ein Flugverbot verhängt

Zumal auch andere Länder längst Fakten geschaffen hatten. Als eines der letzten Länder hatte auch der US-Nachbar Kanada am Mittwochmittag entschieden, die Max vom Himmel zu holen. Die „New York Times“ zitierte einen ehemaligen FAA-Verantwortlichen mit den Worten, im Grunde sei der ganze Flugzeugtyp bereits aus dem Verkehr gezogen. „Wenn alle diese Länder ihren Luftraum für die Flugzeuge sperren, interessiert sich doch keiner dafür, was die USA erlauben.“

Nach dem Flugverbot über Europa und zahlreichen weiteren Ländern muss Boeing derweil wohl mit erheblichen Schadenersatzforderungen der betroffenen Fluglinien rechnen. So kündigte ein Sprecher der Airline Norwegian gegenüber dem Wirtschaftsportal e24.no an, man werde Boeing „die komplette Rechnung schicken“. Der Billigflieger ist mit 18 Maschinen größter Betreiber des Modells in Europa und musste am Mittwoch mehr als ein Dutzend Flüge streichen.

Die Fluggesellschaften des Touristikkonzerns Tui in Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Schweden, die zusammen 15 Max betreiben, konnten nach Angaben eines Sprechers am Mittwoch alle geplanten Flüge durchführen. Dazu mussten allerdings zum Teil Flugzeuge von anderen Luftverkehrsgesellschaften angemietet werden.

Passagiere können umbuchen

Betroffene Passagiere haben grundsätzlich Anspruch auf Umbuchung oder Kostenerstattung und müssen, falls sie bereits am Flughafen sind, durch die Fluggesellschaften betreut werden. Ein Anspruch auf Entschädigungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung, die je nach Länge der geplanten Flugstrecke eine Ausgleichszahlung von bis zu 600 Euro vorsieht, besteht aus Sicht des Luftverkehrsrechtsexperten Ronald Schmid, der für das Fluggastrechte-Portal Fairplane spricht, aber nicht: Nach eindeutiger Rechtsprechung seien Luftraumsperrungen oder Flugverbote für bestimmte Flugzeugtypen keine Gründe, die die jeweilige Fluggesellschaft zu verantworten hat.

Für den Hersteller Boeing, der mit der Max in hartem Konkurrenzkampf mit der A320neo-Flugzeugfamilie des Rivalen Airbus steht, bedeuten die beiden Abstürze und das Flugverbot einen empfindlichen Rückschlag. Mit 5012 Bestellungen für die Max liegt man deutlich hinter dem Wettbewerber: Von der Airbus A320-neo-Familie, für die 6501 Aufträge vorliegen, fliegen bereits 687 Exemplare.

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