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Wirtschaft - 16.01.2019

Das Wachstum schwächt sich ab

Die Wirtschaft wächst laut Statistischem Bundesamt schwächer. Der Rezession entgeht Deutschland aber noch einmal knapp.

Monteure arbeiten an Naben für Windkraftanlagen in Rostock. (Symbolbild)

Deutschlands goldene Wirtschaftsjahre gehen langsam zu Ende. Das Wachstum ist 2018 so schwach ausgefallen wie seit fünf Jahren nicht mehr: Um lediglich 1,5 Prozent legte das Bruttoinlandsprodukt zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitgeteilt hat.

Damit wächst die Wirtschaft zwar weiter, tut das aber sehr viel langsamer als in den vergangenen Jahren. Statistiker Albert Braakmann drückt sich bewusst vorsichtig aus: „Das Wachstum hat etwas an Schwung verloren.“ Wirtschaftsvertreter werden hingegen deutlicher. „Die Wachstumsdynamik 2018 hat enttäuscht. Das sollte ein Warnzeichen auch für dieses Jahr sein“, meint Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Außenhandelspräsident Holger Bingmann sagt: „Das Umfeld wird rauer und verlangt den Unternehmen erhebliche Anstrengungen ab, um ihre Wettbewerbsposition zu halten.“

Die Stimmung in der Wirtschaft kippt

Dabei waren Ökonomen wie Firmenchefs vor einem Jahr noch so optimistisch. Damals schien es, als könnte nichts der stabilen deutschen Wirtschaft etwas anhaben. Die Brexit-Sorgen, der Handelskonflikt mit den USA, der Streit der Großen Koalition: Alles prallte an den Firmen zunächst ab. Das Ifo-Institut aus München zum Beispiel rechnete im Frühjahr noch für 2018 mit einem „starken Wachstum“ von 2,6 Prozent – bevor die Forscher nach und nach ihre Prognose korrigieren mussten. Im Dezember gingen sie schließlich schon nur noch von einem Plus von 1,5 Prozent aus: dem Wert, den das Statistikamt nun bestätigt hat.

Sind die guten Zeiten damit vorbei? Müssen wir uns wieder auf eine steigende Arbeitslosigkeit und rückläufige Einkommen einstellen?


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Vorerst geben die Statistiker dazu Entwarnung. So scheint Deutschland um die Rezession zumindest kurzfristig herumzukommen. Von der Rezession sprechen die Experten immer dann, wenn das Wachstum in zwei aufeinander folgenden Quartalen zurückgeht. Nachdem die Wirtschaft zwischen Juli und September geschrumpft ist, rechnen die Statistiker für das Schlussquartal nun aber wieder mit besseren Zahlen. „Nach unserer vorläufigen Schätzung gehen wir für das vierte Quartal von einem leichten Plus aus“, sagt Tanja Mucha vom Statistischen Bundesamt. Die detaillierten Zahlen stellt ihr Haus im Februar vor.

Probleme der Autoindustrie belasten das Wachstum

Statistiker Braakmann glaubt, dass die Wachstumsdelle im Sommer vor allem zwei Gründe hatte: die rückläufige Produktion in der Autoindustrie und der niedrige Pegelstand des Rheins. So konnten die Autokonzerne zeitweise weniger Wagen ausliefern als geplant, weil sie Schwierigkeiten mit der Einführung eines neuen Prüfverfahrens hatten. Dieses soll die Abgas- und Verbrauchswerte realistischer machen. Weil die Autobauer sich darauf aber viel zu spät eingestellt haben, kam es zwischenzeitlich zu Verzögerungen: So lange ihre Modelle den neuen Test nicht durchlaufen hatten, durften sie keine Wagen dieser Reihe mehr ausliefern. Allein im August ist die deutsche Autoproduktion hierzulande deshalb um ein Drittel eingebrochen. Weil die Branche für die deutsche Wirtschaft so wichtig ist, wirkte sich das sofort aufs Wachstum aus.

Die deutschen Chemiekonzerne hingegen litten im Sommer unter dem niedrigen Pegel des Rheins: Zum einen fehlte ihnen dadurch das Kühlwasser, zum anderen konnten sie ihre Chemikalien nur eingeschränkt per Schiff transportieren.

Auch der Außenhandel läuft mau

Weil diese beiden Sondereffekte zuletzt wieder weggefallen sind, kommt Deutschland um die Rezession noch einmal herum. Gleichzeitig spüren die deutschen Firmen mit ihrer starken Abhängigkeit vom Export aber die Schwäche in wichtigen Auslandsmärkten – zum Beispiel in China, wo das Wachstum ebenfalls zurückgeht und die Regierung bereits Gegenmaßnahmen plant. Dazu kommt der Handelsstreit mit den USA, deren Ausgang weiter offen ist. Bereits 2018 hat sich das in einem schwächeren Exportwachstum bemerkbar gemacht.

Auch deshalb sind die Ökonomen bei ihrem Ausblick verhalten. Zumal es viele Fragezeichen gibt: Wie geht es mit dem Brexit weiter? Hält in den USA der Trump-Boom an? Bekommen die Italiener ihre Schulden in den Griff? All das sind wichtige Punkte für die Exportnation Deutschland. Das Ifo-Institut geht auch angesichts dieser Unsicherheiten für 2019 von einem noch niedrigeren Wachstum von 1,1 Prozent aus und erklärt: „Damit befindet sich die deutsche Wirtschaft im Abschwung.“

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