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Wirtschaft - 1 Woche ago

„Die 7-Zonen-Matratze bringt gar nichts“

Hubertus Primus, Chef der Stiftung Warentest, über teure Matratzen, die Auswirkungen schlechter Urteile und die Zukunft der Warentests. Ein Interview.

Matratzen in einem Fachgeschäft in Berlin

Herr Primus, seit über 50 Jahren testet die Stiftung alles Mögliche von Kondomen über Katzenfutter bis hin zu Kindersitzen. Gibt es etwas, das Sie noch nicht untersucht haben?

Ja, zum Beispiel Segeljachten oder Fertighäuser. Aber besonders lang ist die Liste nicht.

Was sind die Renner? Welche Themen interessieren die Leser am meisten?

Matratzen sind ein großes Thema. Auf unserer Internetseite ist das das absolute Clickmonster und bringt uns allein 250 000 Euro im Jahr. Olivenöl ist ebenfalls ein Dauerbrenner, und auch der Mineralwasser-Test läuft gut. Dasselbe gilt für alle Themen, die interessant sind, wenn man sich neu einrichtet: Waschmaschinen, Fernseher, Staubsauger.


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Bett 1 ist die beste, jemals getestete Matratze und macht kräftig Werbung mit diesem Testurteil. Wie kann eine Matratze für 200 Euro aus dem Internet besser sein als eine 1200 Euro teure Matratze aus dem Fachgeschäft?

Dass sich die Menschen für den Matratzentest interessieren, wundert mich gar nicht. Ich glaube, wir sind die Einzigen, die Matratzen so umfassend auf technische und ergonomische Eigenschaften untersuchen. Dabei gibt es hier einen unglaublich hohen Aufklärungsbedarf. Die Branche hat ein schlechtes Image, mit gefälschten Testsiegeln und merkwürdigen Produktionsabläufen. Bett1 ist tatsächlich die beste jemals von uns getestete Matratze. In einer Branche mit rauen Sitten liefern die einfach gutes Handwerk ab. Aber wir überprüfen regelmäßig, ob dieses Urteil noch stimmt.

Wie kann eine Matratze für alle Menschen passen, egal ob jemand gern hart oder weich schläft?

Für unsere Matratzentests haben wir vier verschiedene Körperbautypen einbezogen – von schlank und schmal bis rund und kräftig. Und tatsächlich passt die Bett1 für schlanke wie für kräftige Menschen gleichermaßen. Viele Menschen schlafen schlecht und sind bereit, eine Menge Geld auszugeben, um das zu ändern. Deshalb wird viel Bohei um das Schlafen gemacht. Die 7-Zonen-Matratze, mit der viele Anbieter werben, bringt aber überhaupt nichts. Und auch der Lattenrost wird völlig überschätzt. Eigentlich kann man sich seinen Lattenrost aus Holzlatten selbst zusammenzimmern, und der ist dann genauso gut wie die teuren Lattenroste.

Gute Testurteile wie bei Bett 1 können Anbieter groß machen, aber was ist mit schlechten Bewertungen? Fliegen die Produkte dann aus dem Regal?

Wenn ein Anbieter exklusiv einen großen Discounter oder Supermarkt beliefert, ist ein schlechtes Urteil fatal. Wir hören von Verträgen, nach denen sich die Händler schon bei einem „Befriedigend“ oder einem „Ausreichend“ ein Recht auf Auslistung einräumen. Generell gilt: Der Handel orientiert sich sehr stark an den Qualitätsurteilen. Produkte mit guten Testurteilen verkaufen sich nun einmal besser als Konkurrenzangebote ohne.

Der Handel macht mit Handelsmarken wie „Gut & Günstig“ oder „Ja“ sowie mit seinen Eigenmarken den Markenartikeln Konkurrenz. Bei vielen Tests schneiden die Billigmarken inzwischen besser ab als die teuren Markenwaren. Ist das ein Trend?

Hubertus Primus ist Vorstand der Stiftung Warentest.

Ja. Die Markenprodukte haben unserer Erfahrung nach keinen Vorsprung gegenüber den Eigenmarken. Wir haben die Testergebnisse verschiedener Produktkategorien vor einigen Jahren mal verglichen, und da lagen die Eigenmarken der Supermärkte, was „gute“ Testurteile anging, Kopf an Kopf mit den Markenartikeln, vorne waren aber die Eigenmarken der Discounter. Die Markenprodukte sind teurer, aber sie sind nicht besser.

Was ist mit Bio-Angeboten?

Bio-Produkte sind nicht besser als herkömmliche Produkte. In Bioprodukten sind zwar deutlich weniger Pestizide, dafür aber mehr andere Schadstoffe wie zum Beispiel Schimmelpilzgifte.

Was ist mit veganem Essen? Der letzte Test liegt zwei Jahre zurück. Ist eine Neuauflage geplant?

Wir werden das wieder machen, aber die Marktbedeutung von veganem Essen ist nicht so groß, dass man solche Untersuchungen jährlich machen muss.

Wehren sich die Hersteller gegen schlechte Urteile?

Eher nicht, die Zahl der Klagen nimmt ab. Wenn Anbieter vor Gericht gehen, kommen die oft aus dem Finanzbereich, speziell aus dem grauen Kapitalmarkt.

Die Stiftung Warentest empfiehlt Anlegern Indexfonds – kostengünstige einfache Fonds, die etwa den Deutschen Aktienindex oder andere Indizes abbilden. Größter Anbieter solcher Fonds ist der US-Konzern Blackrock, ein Finanzkonzern mit großer Marktmacht. Machen Sie Blackrock mit Ihren Empfehlungen nicht noch mächtiger? Bedenken Sie überhaupt die Konsequenzen Ihrer Ratschläge?

Ja, natürlich. Wir untersuchen auch nachhaltige Geldanlagen und zeigen unseren Lesern, welche Indexfonds die richtigen sind, wenn sie ethisch und ökologisch anlegen wollen. Die von uns empfohlenen Indexfonds kommen übrigens von verschiedenen Anbietern, nicht nur von Blackrock. Wer beispielsweise Indexfonds aus dem Haus der Deutschen Bank oder der Commerzbank besser findet, kann diese nehmen. Auch wir als Stiftung Warentest haben knapp 30 Prozent unseres Stiftungskapitals von 180 Millionen Euro in ETF angelegt.

Eigentlich sollte Ihnen das Stiftungskapital ein sorgenfreies Leben ermöglichen und Sie von den jährlichen Zuschüssen des Staates unabhängig machen. Aber die Europäische Zentralbank macht Ihnen mit ihrer Zinspolitik einen Strich durch die Rechnung. Wie viel Rendite schaffen Ihre Anlageexperten?

Wir haben 2017 eine Rendite von knapp drei Prozent erreicht, das ist nicht schlecht. Wir müssen das Stiftungskapital erhalten, und es muss Erträge bringen. Der Staat fährt ja seine jährlichen Zuschüsse an die Stiftung Warentest zurück. Im vergangenen Jahr gab es nur noch 3,9 Millionen Euro statt fünf Millionen vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Aber wir haben es geschafft, die sinkenden Zuschüsse auszugleichen. Unser Jahresabschluss war gut.

Wie gut?

Wir haben im vergangenen Jahr ein Jahresergebnis von 2,4 Millionen Euro geschafft. Das sind fast 500.000 Euro mehr als im Jahr davor.

Aber was ist, wenn die Inflation steigt?

Dann kann es schwierig werden, wenn es nicht auch zu einer Anhebung des Zinsniveaus kommt. Wir dürfen ja nur sehr sichere Anlagen wählen, die lediglich niedrige Zinsen abwerfen. Im Moment halten wir rund 25 Prozent des Stiftungskapitals liquide, um auf sich verändernde Marktsituationen reagieren zu können. Strafzinsen konnten wir bisher vermeiden und nutzen geeignete Tages- und Festgeldangebote. Wir wollen Kapital nur dann langfristig gebunden anlegen, wenn es sich rentiert.

Der Absatz Ihrer Zeitschriften „test“ und „Finanztest“ sinkt. Verlieren die Leser das Interesse?

Na ja, andere Zeitschriften müssen noch viel größere Rückgänge verkraften. Bei „test“ verloren wir letztes Jahr im Abonnement 2,3 Prozent, aber bei „Finanztest“ haben wir leicht zugelegt. Das Geschäft verschiebt sich von Print zu Online. Online haben wir inzwischen 50.000 Abos, das hat den Rückgang bei den Zeitschriftenabos ausgeglichen. Dank der guten Entwicklung bei „test.de“ und einer Preiserhöhung bei „test“ haben wir den Umsatz im vergangenen Jahr sogar um eine Million Euro gesteigert.

Wie unterscheiden sich Ihre Online- von den Printabonnenten?

Onlinekunden sind jünger, interessieren sich zum Beispiel für Smartphones und Tablets, aber auch für weiße Ware, Kinderwagen und Autokindersitze. Wir erreichen online besonders die jungen Eltern. Die Printleser sind älter.

Wie verändert die Digitalisierung Ihre Arbeit? Viele Haushaltsgeräte sind inzwischen internetfähig, kommunizieren untereinander. Müssen Sie die Software nicht künftig mitbewerten?

Ja, wir tasten uns in das Internet der Dinge vor. Wir haben jetzt Alarmanlagen getestet und dabei auch untersucht, wie die dazu passenden Apps mit den Daten umgehen. Unsere Tests werden sich zunehmend in diese Richtung bewegen. Testet man den Kühlschrank oder die Software, die das Essen nachbestellt? Muss man nicht eher die Netzwerke unter die Lupe nehmen, die verschiedene Produkte verbinden? Das wird eine Riesenherausforderung für uns.

Wann testen Sie den Datenschutz von Facebook?

Wir überprüfen jetzt erst einmal, wie wirksam die neuen Einstellungen von Facebook sind. Ob wir noch weitergehen, müssen wir schauen. Ein wenig setze ich auch auf Facebook selbst. Die Daten sind sein größter Schatz, und Facebook hat kein Interesse daran, dass seine Nutzerdaten unkontrolliert an Dritte abfließen.

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