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Wirtschaft - 11.06.2019

Europäische Tech-Start-ups schlagen US-Konkurrenten

2018 wurde so viel Kapital wie noch nie in die führenden europäischen Tech-Unternehmen investiert. Auch in Deutschland gibt es immer mehr so genannte Einhörner.

Mitglied im Einhornclub: N26-Chef Valentin Stalf in den Räumen der Firma in der Klosterstraße in Berlin Mitte.

Die Anzahl der mit mindestens einer Milliarde Dollar bewerteten Technologie-Start-ups hat sich in Europa seit 2014 fast verdreifacht. Insgesamt 84 Jungunternehmen zählen inzwischen zu den so genannten Unicorns. Allein im Vorjahr kamen 21 Unternehmen dazu, darunter auch drei deutsche Firmen: der Datenanalysespezialist Celonis, die Onlinebank N26 und der Modehändler AboutYou.

Die Zahlen stammen aus dem jährlichen Report des auf Technologie-Investitionen, Übernahmen und Fusionen spezialisierten Beratungsunternehmen GP Bullhound zum Wachstum von Europas führenden Technologieunternehmen.

Im innereuropäischen Vergleich liegt weiterhin Großbritannien an der Spitze. Das Land zählt mittlerweile 27 Einhörner mit einer Gesamtbewertung von 80 Milliarden US-Dollar. Auf Platz zwei folgt Deutschland mit insgesamt elf Unicorns vor Schweden mit acht. Damit hat Deutschland die Skandinavier im Vergleich zum Vorjahr überholt. Auch bei den Neuzugängen liegt Großbritannien vorn. Allein fünf Unternehmen sind dort in den Unicorn-Club aufgestiegen: BenevolentAI, Darktrace, Graphcore, Greensill und Monzo.

Europa wächst schneller als USA

2018 wurde dabei so viel Kapital wie noch nie in die führenden europäischen Tech-Unternehmen investiert: insgesamt 28 Milliarden US-Dollar. Die Bewertung des europäischen Technologie-Ökosystems wächst damit schneller als die der Tech-Szene in den USA. So erhöhte sich der kumulierte Gesamtwert aller europäischen Milliarden-Dollar-Unternehmen 2018 um 28 Prozent, während es in den Vereinigten Staaten im gleichen Zeitraum nur 20 Prozent waren. In Asien lag der Zuwachs mit 36 Prozent jedoch noch höher. „Europa hat im vergangenen Jahr unglaubliche Fortschritte gemacht. Der Zugang zu Kapital hat sich in den letzten drei Jahren enorm verbessert“, sagt Manish Madhvani, Managing Partner bei GP Bullhound.

Seit 2014 stieg der aggregierte Marktwert der europäischen Unicorns von 89 auf 302 Milliarden US-Dollar. Die Beratung prognostiziert zudem, dass im Jahr 2021 das erste der europäischen Technologiefirmen beim Firmenwert die Schwelle von 50 Milliarden Dollar erreichen wird. Die aussichtsreichsten Kandidaten sind dabei die niederländische Payment-Plattform Adyen und der schwedische Streaming-Anbieter Spotify.

Wachstum bei Fintech und Finanzierungen über 100 Millionen

Das hohe Wachstum in Europa liegt auch an der deutlich gestiegenen Zahl an Finanzierungsrunden in besonders großer Höhe. Der Bericht zählt 32 solcher sogenannten Megarounds mit einem Volumen von 100 Millionen US-Dollar oder mehr.

Ein wachsender Anteil dieser besonders großen Finanzierungsrunden wird von Fintech-Unternehmen abgeschlossen, darunter die deutsche Mobilbank N26 und ihr britischer Konkurrent Revolut. Der Fintech-Sektor ist laut GP Bullhound einer der am schnellsten wachsenden in Europa: „Ein Drittel aller europäischen Finanzierungen ging vergangenes Jahr an diese Unternehmen“.

Neun weitere deutsche Einhorn-Kandidaten

Diese Tendenz zeigt sich auch beim Blick auf die kommenden Unicorns. Unter den 50 vielversprechendsten Start-ups, die in den kommenden zwei Jahren eine Milliarden-Bewertung erreichen könnten liegen neun Deutsche.

Drei davon sind wiederum Fintechs: Deposit Solutions aus Hamburg, sowie die Berliner Raisin, bekannt unter seinem Geldanlageportal Weltsparen und der Banksoftware-Entwickler Mambu.

Weitere Kandidaten sind Flixbus, die Personalmanagementsoftware Personio, das Redaktionssystementwickler Contentful, der Individualreisevermittler Tourlane und Hometogo, die Suchmaschine für Ferienwohnungen.

Das neunte Unternehmen in der Liste hat den Sprung bereits geschafft: Die Reiseplattform Getyourguide hat Mitte Mai fast 500 Millionen Dollar von Investoren wie Softbank erhalten und wurde dabei mit mehr als einer Milliarde bewertet. Die Finanzierung lag allerdings nach dem Stichtag der Auswertung im März und wurde daher noch nicht berücksichtigt.  

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