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Wirtschaft - 26.12.2018

Pepsi übernimmt Sprudelgerätehersteller Sodastream

Es läuft gut beim weltweit größten Sprudelgerätehersteller Sodastream. Davon will jetzt auch Pepsi profitieren und die israelische Firma kaufen.

Die Firmenzentrale von SodaStream in Israel.

Berlin – Sprudelkisten schleppen war gestern: Wer an heißen Tagen nicht zum Wasserträger werden und es sich leicht machen will, stellt sein perlendes Wasser einfach selbst her – mit Trinkwasser aus dem Leitungshahn. Der israelische Sprudelgetränkehersteller Sodastream hat damit inzwischen Millionen Haushalte erobert, mehr als acht Millionen weltweit sind es Unternehmensangaben zufolge.

Das Sodastream-System ist einfach: Das Leitungswasser wird in eine spezielle Karaffe aus Glas oder in eine Plastikflasche gefüllt, diese wird dann in den Trinksprudler eingesetzt, dessen Sprudlerknopf ein oder zwei Mal gedrückt wird – schon perlt das Wasser. Möglich macht es ein Zylinder, der mit Kohlensäure gefüllt ist und ausgetauscht werden kann, wenn er leer ist. Den ersten Trinkwassersprudler in Deutschland brachte das Unternehmen 1994 auf den Markt. Außer auf dem Heimatmarkt Israel vertreibt das an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte Unternehmen seine Produkte in 45 weiteren Ländern.

1,5 Milliarden Liter Wasser sprudeln Fans von Leitungswasser mit Sodastream weltweit jedes Jahr zu Hause auf, erklärt das Unternehmen. Sodastream erlöste zuletzt 543 Millionen Dollar (475 Millionen Euro) und sieht sich als weltweit größten Anbieter und Händler von Sprudlersystemen für den Heimgebrauch.

Mineralwasser ist Lieblingsgetränk der Deutschen

Ein prickelndes Geschäft, auch in Deutschland, wo Mineralwasser mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 144,3 Litern im Jahr 2017 das Lieblingsgetränk ist. 556 000 Geräte hat Sodastream hierzulande verkauft. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2014, aktuellere Zahlen zum Deutschlandgeschäft liegen nicht vor. Der Umsatz wachse aber seit 25 Quartalen zweistellig, erklärte der für Deutschland, Österreich und die Schweiz verantwortliche Sodastream-Geschäftsführer Ferdinand Barckhahn. Inzwischen stehen in rund sechs Prozent aller Haushalte in Deutschland Sprudler von Sodastream, sagte er kürzlich in einem Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“. „In Deutschland haben Verbraucher vergangenes Jahr 500 Millionen Liter Wasser mit unseren Geräten aufgesprudelt, aber nur 300 Millionen Liter Gerolsteiner konsumiert.“ Gerolsteiner ist in Deutschland auf Platz eins der Mineralwassermarken mit einem Marktanteil von weit mehr als zehn Prozent.


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Vom sprudelnden Sodastream-Absatz will nun auch der US-Getränke- und Lebensmittelkonzern PespiCo profitieren. Zugleich will man weniger abhängig vom Geschäft mit Limonade und Snacks werden und auf Wachstum setzen. Denn auch in den USA entwickelt sich sprudelndes Wasser immer mehr zum Verkaufsschlager. Wie die beiden Unternehmen am Montag bekannt gaben, will der Coca-Cola-Konkurrent den Sprudelgerätehersteller für 3,2 Milliarden Dollar (rund 2,8 Milliarden Euro) übernehmen. Pepsi bietet 144 Dollar (knapp 126 Euro) je Aktie. Dies sei ein 32-prozentiger Aufschlag auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage, lässt der Konzern wissen. Die Führungsspitzen beider Unternehmen hätten der Übernahme bereits zugestimmt.

Mit Sodastream kommt nun eine weiteres Produkt unter das Dach von PespiCo, das mit Marken wie Pepsi-Cola, Gatorade, Tropicana, Frito-Lay oder Quaker vergangenes Jahr in mehr als 200 Ländern rund 63 Milliarden Dollar (55 Milliarden Euro) umgesetzt hat. Doch warum steigt der US-Getränkeriese gerade jetzt ins Wassergeschäft ein?

Konkurrent Coca Cola hat den Markt früher entdeckt

Konkurrent Coca Cola hat den Markt früher entdeckt und inzwischen die Marken Vio und Appolinaris im Portfolio. Wie PepsiCo mitteilt, sei Sodastream- Wasser eine umweltfreundliche Alternative zu Getränken in Flaschen und Dosen. Zudem passe das Trinkwasser-Angebot zur Nachhaltigkeitsstrategie, die sich das Unternehmen selbst gegeben hat. So sollen bis zum Jahr 2025 mindestens zwei Drittel der verkauften Getränke kalorienarm sein.

Details, wann der Kauf unter Dach und Fach sein soll, welche Auswirkungen die Übernahme auf die Beschäftigten von Sodastream und das Angebot des Sprudelgeräteherstellers hat, verrät PepsiCo nicht – auch nicht, ob es künftig perlendes Wasser mit Pepsigeschmack geben wird. Denn Sodastream bietet auch Sirup an, mit dem das Wasser geschmacklich aufgepeppt werden an.

Die Konkurrenz hält sich mit Kommentaren zur Übernahme zurück. US-Rivale Coca-Cola teilte mit, dass sich der Konzern „nicht zu Aktivitäten von Wettbewerbern äußert“. Der Verband deutscher Mineralbrunnen verweist lediglich darauf, dass der Mineralwasser-Absatz in Deutschland seit Jahren wachse. Nur im vergangenen Jahr sei er leicht rückläufig gewesen. Eine Ausnahme, die auf den durchwachsenen Sommer zurückzuführen war. Im Jahrhundertsommer-Jahr 2018 dürfte der Konsum wieder kräftig gestiegen sein. Kerstin Ruchay

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