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Wirtschaft - 4 Tagen ago

Wenn die Matratze zur Todesfalle wird

Die Stiftung Warentest schlägt Alarm: Die Hälfte der Kindermatratzen ist mangelhaft. Die Unterlagen sind zu weich, die Babys können ersticken.

Babys liegen in der Universitätsfrauenklinik in Leipzig (Archivfoto)

1971 gaben Kinderärzte eine fatale Empfehlung: Auf einer internationalen Tagung in Wien kamen die Experten überein, dass Babys nicht auf dem Rücken, sondern lieber auf dem Bauch schlafen sollten. Die Kinder würden sich besser entwickeln, tiefer schlafen und liefen nicht Gefahr zu ersticken, falls sie sich übergeben müssen.

Heute weiß man: Das war falsch. Denn Babys, die auf dem Bauch schlafen, sind in Wirklichkeit deutlich stärker gefährdet, am plötzlichen Kindstod zu sterben, als Rückenschläfer. Seit Mittwoch ist zudem klar: Diese Gefahr ist noch höher, wenn die Kinder auf einer zu weichen Matratze liegen, wie die Stiftung Warentest in ihrem jüngsten Matratzentest herausgefunden hat.

Der plötzliche Kindstod gehört zu den häufigsten Todesursachen von Babys im ersten Lebensjahr. Er ist der Alptraum aller Eltern und stellt Mediziner noch immer vor Rätsel. Glaubt man der Stiftung Warentest, ist die falsche Matratze einer der Risikofaktoren. Von 14 Kindermatratzen bewerteten die Verbraucherschützer die Hälfte als mangelhaft: Diese – darunter auch teure Modelle – halten die Tester sogar für lebensgefährlich. Wenn Babys auf dem Bauch schlafen, würde der Kopf auf der weichen Matratze so tief einsinken, dass das Kind ersticken kann. Babys können in den ersten Monaten nämlich weder den Kopf heben noch drehen, um einem drohenden Sauerstoffmangel zu entgehen. „Kinder, die jünger als ein Jahr sind, sollten vorsichtshalber nicht auf einer dieser Matratzen schlafen“, warnt die Stiftung Warentest.

Beim Matratzenverband hält man den Test für unfair

Betroffen sind die Hersteller Alvi, Julius Zöllner, MFO Matratzen, Pinolino, Träumeland und Waschbär. Pinolino und Waschbär haben bereits reagiert und die Problemmatratzen vom Markt genommen. Bereits gekaufte Modelle können die Eltern zurückgeben. Auch MFO bietet das an, allerdings nur für Produkte, die ab August 2017 gekauft worden sind. Der Grund: Seit Herbst 2017 gibt es eine neue Din-Norm, die erstmals festlegt, wie man die Sicherheit von Kindermatratzen messen kann. Mit einer Kugel wird simuliert, wie der Kopf des Kindes einsinken würde, wenn es sich auf den Bauch drehen würde. Die Hälfte der Matratzen hat diesen Test nicht bestanden.

Beim Matratzenverband hält man den Test jedoch für unfair. Sprecherin Claudia Wieland vermutet, dass die Stiftung Warentest alte Modelle getestet habe – aus Zeiten vor der neuen Din-Norm. Und: Wenn die Matratzen wirklich so gefährlich sind, müsste dann nicht viel mehr passieren, fragt sich der Verband.

„Wir haben die Matratzen im April dieses Jahres eingekauft“, weist Holger Brackemann, der bei der Stiftung Warentest den Testbereich leitet, den Vorwurf zurück. Zudem sei das Problem, dass zu weiche Matratzen gefährlich sind, schon seit Jahren bekannt.

Die Matratze ist aber nur ein Baustein. Um den plötzlichen Kindstod zu verhindern, können Eltern noch vieles mehr tun. So sollten Babys im Schlafsack statt unter einer Decke liegen, das eigene Bettchen ist sicherer als das Familienbett, Stillen hilft, aber auch der Schnuller. Das unbewusste Nuckeln könnte dazu führen, dass Kinder ruhiger atmen, sagen Experten. Noch wichtiger ist aber, dass Eltern auf das Rauchen verzichten. Studien zeigen, dass Babys von rauchenden Müttern ein deutlich höheres Risiko haben, am plötzlichen Kindstod zu sterben. Und unabhängig von der Härte der Matratze gilt: „Lassen Sie Ihr Kind nicht auf dem Bauch schlafen“, warnt Warentester Brackemann. Seitdem Kinderärzte die Bauchlage nicht mehr empfehlen, sei die Zahl der ungeklärten, plötzlichen Todesfälle signifikant zurück gegangen.

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