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Wirtschaft - 09.02.2019

Wo die Preise im Internet besonders drastisch schwanken

Verbraucherschützer haben die Praktiken der Internetshops untersucht. So senkt Media-Markt pünktlich um 18:45 Uhr die Preise.

Unterschiede im Einkaufskorb: Bei Zalando kostet ein Outfit an einem Tag 275, an einem anderen 312 Euro.

Wer regelmäßig im Internet einkauft, kennt das Phänomen: Man schaut sich einen Artikel an, kann sich noch nicht entscheiden und beim nächsten Besuch des Shops ist er plötzlich teurer. Das muss gar nicht daran liegen, dass der potenziell interessierte Käufer wiedererkannt wurde, sondern die häufige Änderung von Preisen gehört zur Strategie der meisten Online-Händler dazu.

 

Wie extrem dieses Phänomen der sogenannten dynamischen Preise bei deutschen Anbietern ausgeprägt ist, hat nun das Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Brandenburg analysiert. Beobachtet wurden dazu       über gut einen Monat mehr als 1000 Produktpreise bei 16 deutschen Online-Händlern, darunter Otto, Conrad, Mediamarkt oder Zalando. Mit der Ausnahme von Shop-Apotheke haben alle Anbieter während des Untersuchungszeitraums ihre Preise variiert. Betroffen waren insgesamt 37 Prozent der Produkte.

Enorme Preisunterschiede bei Zalando 

Die Unterschiede sind teilweise enorm, wie beispielsweise Zalando zeigt. Bei dem Modehändler schwankte der Preis für eine Stoffhose zwischen 79,95 und 199,95 Euro, der einer Daunenjacke zwischen 129,90 und 199,90 Euro. Einige Preise wurden bis zu 23 Mal verändert. Ein komplettes Outfit war so an einigen Tagen für 275 Euro erhältlich, an anderen Tagen kostete es 312 Euro. „Es lohnt sich, ein Produkt auch mal über eine Woche zu beobachten“, sagt Constanze Gaßmann Referentin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Man sollte nicht dem ersten Kaufimpuls folgen“. Schließlich betrugen die Differenzen fast aller mehrfach im Preis geänderter Produkte bei Zalando mindestens 20 Prozent.

 

Die Anbieter der Elektronik-Branche veränderten im Durchschnitt die Hälfte der untersuchten Produktpreise, Mediamarkt sogar zwei Drittel. Auch hier gab es teils hohe Frequenzen und Preisunterschiede. Bei Mediamarkt konnten die Verbraucherschützer zudem ein Muster feststellen: Die Preise wurden überwiegend am frühen Abend gegen 18:45 Uhr gesenkt. Am Folgetag nahm der Elektronikhändler die Senkung wieder zurück. Auch Autozubehör bei ATU ist tagsüber tendenziell teurer. „Jeweils zum Nachmittag fand eine Reduzierung des Preises statt, die zum Vormittag des Folgetages wieder zurückgenommen wurde“, heißt es in der Untersuchung.

 

Solche klaren Strategien sind jedoch die Ausnahme, oft wirkten die Schwankungen willkürlich. „In 90 Prozent der Fälle war kein spezifisches Muster zu erkennen“, sagt Gaßmann. Das macht es Nutzern freilich schwerer, mit den Schwankungen umzugehen. Der Kunde könne nicht mehr einschätzen, ob er bei seinem Kauf gerade spart oder draufzahlt, klagen die Verbraucherschützer.  „Zudem hat er keinen verlässlichen Referenzpreis mehr, an dem er den Wert eines Produkts bemessen kann.“ Die mangelnde Transparenz führe zu einem Vertrauensverlust in den Online-Handel.

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Die Untersuchung zeigt jedoch auch deutliche Unterschiede zwischen den Anbietern. An der Spitze liegt die Versandapotheke Sanicare, wo fast 90 Prozent der Produktpreise variiert werden. Auch beim Reifenhändler Tirendo, Mediamarkt und DocMorris sind es fast zwei Drittel und mehr. Dagegen änderten Hornbach, Obi, Otto oder Sportscheck   weniger als jeden fünften Preis. Der Baumarkt Hornbach änderte in seinem Online-Shop die wenigen betroffenen Artikel auch nur einmal in einem Monat. Ganz anders dagegen Konkurrent Obi. Auch hier wurden zwar nur vergleichsweise wenige Preise verändert, die jedoch umso häufiger. In einigen Fällen, wie bei einer Fensterbank oder Betonestrich wurden die Preise nahezu täglich verändert.

 

Apple-Nutzer zahlen manchmal mehr

Die Unterschiede könnten sich auch dadurch erklären, dass manche Anbieter erst noch mit der Preisvariation experimentieren und Erfahrungen sammeln. Ohnehin gehen die Marktwächter davon aus, dass sich zukünftig Preisschwankungen durch eine automatisierte dynamische Preissetzung noch verstärken dürften. „Dann müssen Verbraucher – ähnlich wie Börsenhändler – fallende und steigende Preise noch intensiver in den Blick nehmen, was den Zeitaufwand für einen Preisvergleich deutlich erhöhen kann“, sagt Miika Blinn, Referent beim Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. Er warnt aber auch, dass sich am Ende der Online-Handel mit seinen Preisexperimenten selbst schaden könnte. Im schlimmsten Fall könnten die Nutzer sich von Online-Anbietern abwenden, die häufig ihre Preise dynamisch anpassen.

 

Dazu kommt noch, dass Preise auch individuell angepasst werden.  Dabei wird je nach Surfverhalten oder genutzten Geräten variiert: Wer beispielsweise von einem teuren Mac oder iPhone den Shop aufruft, könnte höhere Preise angezeigt bekommen. Die Praxis, dass sich die Preise je nach genutzten Endgerät unterscheiden, haben Verbraucher für das Buchungsportal Booking.com oder den Shop Babymarkt.de mehrfach bei den Verbraucherschützern gemeldet. Auch in der aktuellen Untersuchung gab es bei einigen Anbietern Indizien für diese Praxis. Namen will Verbraucherschützerin Gaßmann noch nicht nennen. „Wir werden uns das jetzt in einer weiteren Erhebnung noch genauer ansehen.“

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