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Wissen - 18.12.2018

Regierungshochschule an geschichtsträchtiger Stätte

Die Berliner Hertie School of Governance zieht ins denkmalgeschützte Robert-Koch-Forum in Mitte. Das Land investiert 42,5 Millionen Euro.

Der große Hörsaal des Robert-Koch-Forums.

Die Hertie School of Governance bekommt einen neuen Standort – mit tatkräftiger Unterstützung des Landes Berlin. Die Privathochschule, die Master- und Promotionsprogramme für Public Policy anbietet, kann aus der Friedrichstraße ins Robert-Koch-Forum an der Dorotheenstraße, Ecke Wilhelmstraße in Berlin Mitte umziehen. Bis 2022 soll das im Landesbesitz befindliche historische Gebäude dafür mit 42,5 Millionen Euro saniert werden. Das wurde jetzt im Nachtragshaushalt für 2018/19 beschlossen.

Die Charité trenne sich von ihrem „Tafelsilber“, hieß es, als sich die Unimedizin 2006 entschloss, das Forum dem Liegenschaftsfonds zu übergeben. Zum Verkauf stand damit ein Architekturjuwel des 19. Jahrhunderts, von 1873 bis 1883 errichtet nach Plänen Paul Emmanuel Spiekers. Nach dem Vorbild der Schinkel’schen Bauakademie sollte der Gebäudekomplex nahe dem historischen Kern der Charité der größte Institutsneubau für die Wissenschaft des damaligen Kaiserreichs sein. Als prominentester Forscher war der Mediziner und spätere Namensgeber Robert Koch dort tätig. Im großen Hörsaal hielt er einen Vortrag über die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers, für die ihm 1905 der Nobelpreis verliehen wurde.

Angesiedelt ist dort bereits das Einstein Center Digital Future

Das Robert-Koch-Forum mag stark sanierungsbedürftig sein, doch die Bausubstanz und die originale Inneneinrichtung sind weitgehend erhalten – vom historischen großen Hörsaal mit einem imposanten Oberlicht bis zur alten Bibliothek des Instituts für Pharmakologie. Das zeigen Aufnahmen der Berliner Immobilien Management GmbH (BIM), die das Gebäude verwaltet und die Sanierung durchführt.

Der Liegenschaftsfonds hatte das Robert-Koch-Forum 2009 an die Arcadia Berlin Stiftung, eine Schwester des Arcadia Fund in London, verkauft. Die Stiftung wollte dort eine Privathochschule ansiedeln, die Pläne erschlugen sich aber. Daraufhin kaufte das Land Berlin den denkmalgeschützten Gebäudekomplex für 15 Millionen Euro zurück. 2017 siedelte der Senat in einem bereits sanierten Gebäudeteil die Geschäftsstelle des öffentlich geförderten Einstein Centers Digital Future an. Geplant war, das gesamte Forum zu einem Berliner „Haus der Innovation und Wissenschaft“ auszubauen.

An der Hertie School sind 600 Studierende eingeschrieben

Nun also zieht mit der Hertie School of Governance doch eine Privathochschule im Robert-Koch-Forum ein. Der 2008 eröffnete Standort an der Friedrichstraße ist schon lange zu klein für die expandierende Hochschule mit heute 600 Studierenden, ein zweites Gebäude wurde in der Nachbarschaft angemietet. Mieterin wird die Hertie School auch im Robert-Koch-Forum sein – und zwar von 9000 der insgesamt 12 000 Quadratmeter. Außer der Hertie School und dem Einstein Center, das mehr Platz als bisher erhalten soll, wird noch Geschäftsstelle der Berlin University Alliance einziehen, erklärt die Senatskanzlei für Wissenschaft.

„Die Hertie School ist eine für Berlin sehr wichtige Hochschule“, erklärte der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD). Mit ihrem Profil passe sie „sehr gut ins Regierungsviertel“. Durch die Nachbarschaft des Einstein Centers und der University Alliance sei eine wissenschaftliche Nutzung des prominenten Standorts gesichert. Die Hörsäle sollten von den drei Mieterinnen, den Berliner Unis und weiteren Akteuren gemeinsam genutzt werden.

„Das Robert-Koch-Forum, von dem epochemachender wissenschaftlicher Fortschritt ausging, ist der ideale Ort für unsere Hochschule“, sagt auch Hertie-School-Präsident Henrik Enderlein. Jede europäische Hauptstadt habe eine Hochschule für Regierungsarbeit – in diese Richtung wolle sich die Hertie School weiterentwickeln. Wie berichtet wird die Hertie-Stiftung als Trägerin der Hochschule deren Ausbau finanziell stärker unterstützen. 17,5 Millionen Euro zusätzlich sollen in den kommenden fünf Jahren fließen. Geplant sind Kompetenzzentren zu Themen wie digitale Governance und internationale Sicherheitspolitik. Im Zusammenspiel mit den Nachbarinnen werde das neue Robert-Koch-Forum „ein offener Ort für die Berliner Republik“, verspricht Enderlein.

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