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Sport - 15.07.2019

Hertha BSC geht in die Offensive

Hertha BSC will offensiver spielen, mehr mit dem Ball anstellen. Die Variante birgt allerdings Risiken – auch deshalb legt sich Trainer Covic noch nicht fest.

Stürmische Zeiten. Die Angreifer Davie Selke (Mitte) und Salomon Kalou (r.) bereiten sich auf die neue Saison vor.

Mit der Begrifflichkeit hat Ante Covic im Moment noch so seine Probleme. „Taktische Lieblingsvariante?“ fragt der Trainer von Hertha BSC sicherheitshalber nach. „Das ist schwierig zu sagen“, führt Covic aus, „es hängt immer davon ab, welche Qualität der Kader hergibt.“ Und weil noch nicht klar ist, ob der Fußball-Bundesligist die Millionen aus dem jüngsten Investment-Deal tatsächlich in seine erste Mannschaft investiert, kann und will sich Covic einfach noch nicht festlegen. Auch im Interesse des internen Konkurrenzkampfes ist der 43-Jährige gut beraten, seine Karten nicht frühzeitig auf den Tisch zu legen. 4-3-3? 3-5-2? 3-4-2-1? Die Zahlenspiele können jedenfalls beginnen.

Mit Gewissheit lässt sich nach zwei Trainingswochen und drei Testspielen gegen Eintracht Braunschweig (4:1), den Karlsruher SC (6:4 n. Elfmeterschießen) und Sturm Graz (1:0) immerhin eine Sache feststellen: dass Hertha BSC in der Saison 2019/20 die taktischen Prioritäten verschieben wird – zugunsten der Angriffsabteilung. „Wir werden versuchen, aktiver und offensiver zu spielen, also mehr mit dem Ball anzustellen“, sagt Manager Michael Preetz. In der abgelaufenen Saison erzielten alle zehn Vereine, die in der Abschlusstabelle vor Hertha landeten, mehr Treffer als die Berliner – dem Vernehmen nach einer der entscheidenden Umstände, die zur Ablösung von Pal Dardai führten. „Das heißt nicht, dass wir bis dato schlechten Fußball gespielt haben“, sagt Preetz. „Aber Ante ist ein offensiv denkender und offensiv ausgerichteter Trainer, das merkt man ihm sofort an.“  

4-3-3-? 3-5-2? Die Zahlenspiele können beginnen

Im Test gegen Braunschweig etwa schickte Covic zur allgemeinen Überraschung eine Startformation mit zwei echten Stürmern aufs Feld: Vedad Ibisevic und Davie Selke spielten nebeneinander und sorgten für viele gefährliche Aktionen; Hertha erzielte gegen eine Braunschweiger Mannschaft, die in der Saisonvorbereitung deutlich weiter war als die Berliner, drei Treffer innerhalb einer halben Stunde. „Das sah schon ziemlich gut aus“, sagt Preetz. Obendrein setzten die Profis das in die Tat um, was sie zuvor explizit geübt hatten: sie verteidigten sehr hoch und zogen das Spiel in die Breite.

Allerdings ist sich Covic auch bewusst, dass die neue Herangehensweise gewisse Risiken birgt. „Wenn wir eine zweite echte Spitze dazunehmen, müssen wir uns auch die Frage stellen: Worauf verzichten wir im hinteren Bereich?“, sagt der Trainer. „Wozu sind wir in der Lage? Was bietet uns der Gegner an? Das muss man dann von Fall zu Fall entscheiden“, ergänzt er.

So oder so wird zwei Leuten auch in der Saison 2019/20 besondere Verantwortung zukommen: den Routiniers Vedad Ibisevic und Salomon Kalou. „Ich erlebe Vedad einmal mehr wahnsinnig fokussiert und wahnsinnig ehrgeizig“, sagt Preetz. Bei allen Aktionen, die sich in der Nähe des Tores abspielen, habe der Bosnier seine Füße im Spiel. Dass auch Covic große Stücke auf den 34-Jährigen hält, ist ein offenes Geheimnis. Andernfalls hätte er ihn kaum zum Kapitän ernannt.

Ibisevic und Kalou bleiben die Schlüsselspieler

Schließlich waren Ibisevic und Kalou maßgeblich daran beteiligt, dass sportlich ruhige Jahre hinter dem Verein liegen. „Auch Sala hat eine Klasse und deine Qualität, an der wir nicht so einfach vorbeigehen können – in welchem Alter auch immer“, sagt Preetz, „meinetwegen kann er spielen, bis er nicht mehr laufen kann.“ Zudem stehen die Verdienste der beiden jenseits des Fußballfeldes außer Frage: Kalou ist als Stimmungskanone und Pausenclown bekannt und hat sich nicht zuletzt um die Integration von Neuzugang Dedryck Boyata verdient gemacht. „Das sind Aufgaben, die man auf den ersten Blick gar nicht mitkriegt“, sagt Preetz, „da haben Vedad und Salo eine ganz wichtige Rolle.“

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