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Sport - 2 Wochen ago

Kein Traumfinale in der Provinz

Es ist kultivierter Stillstand, wenn immer nur die Großen gewinnen. Der Profimannschaftssport (männlich) in Deutschland ist da gnadenlos. Eine Glosse.

Rasta in der Provinz. Im Städtchen Vechta ist Basketball eine große Nummer.

Vor ein paar Tagen, da war der Traum von einem Finale in der norddeutschen Provinz noch erlaubt. Man stelle sich vor: Oldenburg im Finale gegen Vechta. Kampf um die deutsche Basketballmeisterschaft am norddeutschen Rand, die deutsche Sportprovinz lebt! Spätestens seit Mittwochabend hat sich das aber wohl erledigt, Oldenburg liegt in der Halbfinalserie 0:2 gegen Alba Berlin hinten. Vechta wird wahrscheinlich in ein paar Tagen gegen die übermächtigen Bayern ausscheiden, dann gibt es das standesgemäße Endspiel zwischen Berlin und München.

Der Basketball reiht sich damit nahtlos ein im deutschen Männermannschaftsprofisport. Im Handball wird am Wochenende Flensburg oder Kiel Meister, im Eishockey wurde Mannheim Meister, im Volley- und Wasserball ging der Titel nach Berlin. Und im allmächtigen Fußball sicherte sich Borussia Dortmund den Vizemeistertitel (die Meisterschaft wird in der Bundesliga seit sieben Jahren prinzipiell nach München vergeben).

Das ist alles kultivierter Stillstand, wenn immer nur die Großen gewinnen. Im Profimannschaftssport (männlich) in Deutschland ist das so. Die Großklubs gewinnen fast immer, weil sie eben mehr Geld haben und immer mehr Geld bekommen als die Kleinen. In Nordamerika ist so etwas undenkbar, dort operieren die großen Mannschaftssportarten seit jeher mit den sogenannten „Drafts“, die schwächeren Mannschaften die Chance geben, sich die besten Nachwuchsspieler zu sichern. Womit Bewegung in die Sache kommt. Gäbe es das System im deutschen Fußball, dann könnte womöglich auch mal der SC Paderborn Vizemeister werden.

Im Frauenfußball in Deutschland ist es an der Spitze übrigens inzwischen ähnlich eintönig wie bei den Männern. Dort macht der VfL Wolfsburg die beste Arbeit (und hat am meisten Geld) und wird seit 2017 immer mit dem Double belohnt. Da ist es in den anderen Sportarten bei den Frauen etwas charmanter: Bietigheim holte den Titel im Handball, Memmingen wurde Meister bei den Frauen im Eishockey und dass die Wasserfreundinnen aus Spandau Beste im Land waren, war eine Überraschung: Erstmals überhaupt ging der Titel nach Berlin. Noch drolliger aber war es im Basketball: Im entscheidenden fünften Play-off-Finale der tatsächlich so genannten Damen Basketball-Bundesliga (DBBL) ließ der Hauptrundensieger Herner TV Titelverteidiger Grüner Stern Keltern beim 80:60 (42:27) keine Chance und machte das Double perfekt. Da rockt die Provinz noch so richtig. Anders als im Volleyball der Frauen, auch wenn es dort der „Allianz MTV Stuttgart“ erstmals zu Titelehren gebracht hat.

Aber das sind alles Momentaufnahmen, sobald die genannten Sportarten bei den Frauen in neue Sphären vorstoßen – und das werden sie -, wird die Provinz weniger Titel bekommen. Wobei wir uns aus Berliner Sicht mal ganz unromantisch nicht beklagen wollen: Drei Meister (einmal Volleyball, zweimal Wasserball) haben wir schon, vielleicht kommt ja noch einer im Basketball dazu.

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