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Wirtschaft - 05.02.2019

„Wir Deutschen sind einfach zu skeptisch“

Nico Rosberg hält die Diskussion übers Tempolimit für übertrieben. Lieber spricht er über neue Chancen, Elektromobilität etwa.

Nico Rosberg fährt noch immer gerne schnell.

Geschwindigkeit ist für Nico Rosberg immer noch ein Lebensthema. Doch ihn interessieren nicht mehr die Rundenzeiten in 1000-PS-Rennwagen auf der Formel-1-Strecke. Der 33-Jährige, der 2016 nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft aus der Formel 1 ausstieg, wünscht sich heute mehr Tempo auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität. Dass Elektroautos nicht langweilig sein müssen, zeigt die Formel E, an der sich Rosberg als Investor beteiligt hat. Vom 23. bis 25. Mai findet auf dem Tempelhofer Feld in Berlin wieder die „FIA Formula E Championship“ statt – erstmals parallel zum Greentech Festival, das Rosberg zusammen mit den Unternehmern Marco Voigt und Sven Krüger ins Leben gerufen hat. Unter dem Motto „Celebrate Change“, feiert den Wandel, soll es ein internationales Publikum für grüne Technologien begeistern.

Herr Rosberg, fahren Sie noch gerne schnell Auto?
Kommt drauf an, wo. Wenn die Straße frei ist, macht es natürlich Spaß.

Ohne Tempolimit?
Geschwindigkeit, Fahrspaß, Freiheit – das sind Markenzeichen, für die die deutsche Autoindustrie in der ganzen Welt bekannt ist. Darauf kann man auch stolz sein. In den USA fahren deutsche Autos mit dem Aufkleber „German Autobahn tested“ herum. Statt über Kompromisse und Verbote zu reden, sollten wir die Chancen einer neuen, nachhaltigen und sichereren Mobilität ernst nehmen. Das ist auch ein Grund, warum wir das erste Greentech Festival unter dem Motto „Celebrate Change“ aufbauen, das grüne Technologie feiert.

Limits können auch Spaß machen. In der Formel E, an der Sie beteiligt sind, geht es ja nicht nur um Höchstgeschwindigkeit, sondern um Effizienz und cleveren Ressourcenverbrauch – mit einem Limit: der Batteriekapazität.
Das ist ein gutes Beispiel. Die Fahrer müssen während des Rennens Strom sparen, effizient fahren, um möglichst schnell von A nach B zu kommen. Das ist ein Teil der Herausforderung. Der Spaß und die Begeisterung kommen nicht zu kurz.

Warum regen wir uns also über ein Tempolimit auf?
Weil das Auto ein wichtiger Teil unserer Geschichte ist. Ich verstehe, dass man sich da aufregt. Aber ich finde es auch wichtig, dass man darüber diskutiert. Man sollte es nur nicht übertreiben.

Das Greentech Festival soll den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit beschleunigen, Sie erwarten zur Premiere im Mai 50 000 Besucher in Berlin. Was erhoffen Sie sich von diesem Festival-Format?
Berlin ist der perfekte Ort dafür: Hier kennt man sich beim Feiern aus, hier lebt die Start-up-Kultur, Berlin ist unsere Hauptstadt, hier denken viele junge Menschen über Mobilität nach. Besser kann es nicht sein. Wir wollen alles, was faszinierend ist, zusammenbringen. Eine spannende, große Ausstellung zu grüner Technologie, eine Konferenz mit Workshops, ein Lifestyle-Magazin die Verleihung der „Green Awards“ und die Formel E.

Was war der Moment, in dem Sie entschieden haben, sich vom Verbrennungsmotor und der Formel 1 zu verabschieden?
Ich habe mich ja nicht komplett verabschiedet, ich bin und bleibe ein großer Fan der Formel 1 und dieses Sports. Welcher Motor im Auto steckt, ist zweitrangig. Die neue, „grüne“ Technik fasziniert mich total und viel mehr als die Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors. Ich bin immer schon ein Technik-Freak gewesen. In meinem „zweiten Leben“ habe ich eine bedeutende Herausforderung gefunden. In der Elektromobilität liegt ein großes Potenzial, eine riesige Innovation.

Wie erklären Sie sich, dass die Elektromobilität so langsam vorankommt?
Es fehlen Erfahrungen. Die Leute müssen diesen Wow-Effekt erleben, wenn sie in einem Elektroauto unterwegs sind. Ich denke, wenn die Fahrzeuge passen – und das werden sie bald –, dann wird ein natürlicher Prozess in Gang kommen. Es wird uns alle irgendwann begeistern, da bin ich ganz sicher.

Fahren Sie selbst ein Elektroauto?
Ich warte auf den Mercedes EQC oder den Audi e-tron. Dann bin ich sofort dabei. Noch fahre ich einen Mercedes GLC mit dem kleinsten Dieselmotor. Und in Monaco bin ich mit einem elektrischen Carsharing-Mobil, dem Renault Twizzy, unterwegs. Der passt auch auf einen Motorradparkplatz.

Norwegen ist Partnerland des Festivals. Hier ist dank der starken öffentlichen Förderung jeder zweite Neuwagen elektrisch aufladbar, in Deutschland liegt der Anteil bei zwei Prozent. Zeigt das, dass der Staat mehr Starthilfe geben muss?
Der Staat muss gute Rahmenbedingungen setzen. Das tut er ja auch, vielleicht nicht überall intelligent genug. Aber es mangelt in Deutschland nicht an Förderprogrammen. Wir Deutschen sind einfach zu skeptisch, was neue Technologien angeht. Das müssen wir überwinden, und da müssen auch die Hersteller noch nachlegen. Unser Festival soll der Öffentlichkeit zeigen: Da kommt etwas wirklich Großes, Faszinierendes auf uns zu. Lasst euch darauf ein!

Sie sind als Investor bei der Formel E engagiert und bei einer Reihe innovativer Start-ups. Können es die Kleinen besser als die etablierten Konzerne?
In dieser Phase der Disruption sind Start-ups oft schneller, agiler und freier. Die großen Maschinerien der Konzerne sind häufig träger, weniger bereit, Risiken einzugehen. Da müssen die Konzerne schon sehr aufpassen. Deswegen bringen wir auf dem Greentech Festival alle Akteure an einem Ort zusammen – vom Start-up bis zum Big Player –, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die möglichst schnell in der Lebenswirklichkeit der Menschen ankommen.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer.

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