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Sport - 10.07.2019

Christian Gentner ist mehr als eine Vaterfigur

Der frühere Kapitän des VfB Stuttgart will seine Erfahrung nun beim 1. FC Union einbringen. Im Trainingslager spricht er auch über den Konkurrenzkampf im Team.

Hallo Köpenick. Christian Gentners Erfahrung soll nun Union helfen.

Die Mannschaft des 1. FC Union hat vom Übungsgelände in Windischgarsten einen schönen Blick auf die umliegenden Berge in Oberösterreich. Doch nach der kräftezehrenden Einheit am Dienstagvormittag besaß dafür niemand so richtig ein Auge. Auf dem Weg zum nahen Teamhotel stand bereits die Regeneration im Fokus. Nacheinander stiegen die Spieler in die beiden Eistonnen, in denen bis zu sechs Fußballerbeine Platz finden.

Neuzugang Christian Gentner hockte gemeinsam mit Christopher Trimmel und Felix Kroos im Eiswasser. Es war gewissermaßen ein Kapitänstreffen. Rechtsverteidiger Trimmel ist der aktuelle Spielführer von Union, Kroos erster Stellvertreter. Mittelfeldspieler Gentner trug in der vergangenen Saison beim Bundesliga-Absteiger und Relegationsgegner VfB Stuttgart die Binde. Nun will sich der 33-Jährige bei Union einbringen und nicht nur als ältester Kaderspieler auffallen. „Mich als Vater der Kompanie zu bezeichnen, wäre der falsche Ausdruck. Aber die Erfahrung, die ich gesammelt habe, will ich einbringen. Das ist vom Trainer und Verein gewünscht“, sagt Gentner. „Aber mein erster Eindruck ist, dass die Jungs um Christopher Trimmel, Michael Parensen, Manuel Schmiedebach oder Sebastian Polter den Laden sehr gut im Griff haben und die Gruppe absolut funktioniert.“ Gentner will sich nun einfügen. Er hat angeboten, die Führungsspieler zu unterstützen.

In Stuttgart hat Gentner insgesamt 17 Jahre verbracht. 377 Bundesligaspiele für den VfB sowie den VfL Wolfsburg hat er absolviert und dabei 43 Tore erzielt. Mit beiden Vereinen wurde der Mittelfeldspieler Deutscher Meister. Doch der Neubeginn in Stuttgart nach dem verpassten Klassenverbleib sollte ohne Gentner stattfinden. „Der Abstieg war das definitiv härtere Los. Mit meinen Wurzeln in Stuttgart weiß ich, was das für die Region bedeutet. Das schüttelt man nicht so einfach ab“, sagt Gentner. „Ich hatte ein Gespür dafür, dass mein Vertag nicht verlängert werden würde. Ich hätte mir aber gewünscht, dass man das früher und offen kommuniziert.“

Dass er nun ausgerechnet beim Relegationssieger anheuert, löst bei ihm kein schlechtes Gewissen aus. Auch das Feedback seines Umfeldes sei keinesfalls negativ gewesen. Er habe ganz viele positive Nachrichten erhalten, dass Union ein toller Klub sei. „In Stuttgart sind die Leute auch sehr traditionsbewusst. Die fanden es cool, dass ich weiter in der Bundesliga spielen kann“, sagt Gentner.

Konkurrenzkampf mit Kade, Andrich und Schmiedebach

Den ersten Kontakt zu Union gab es vor rund drei Wochen. Zuerst mit Manager Oliver Ruhnert, dann mit Trainer Urs Fischer. Groß motivieren mussten die Union-Verantwortlichen den nunmehr mit Abstand erfahrensten Spieler der Köpenicker nicht. „Dass es Interesse für mich gab, ist für mich auch eine Wertschätzung. Für Oliver Ruhnert ist es auch nicht ganz so einfach, man muss das alles auch nach außen verkaufen können“, sagt Gentner. „Ich werde im August 34 Jahre alt und bin gerade abgestiegen. Aber die Gespräche haben mich total überzeugt. Ich soll nicht nur eine Vaterfigur sein.“

Auf Gentners Position im zentralen Mittelfeld hat Union mit Julius Kade, der von Hertha BSC kam, und Robert Andrich (Heidenheim) wesentlich jüngere Spieler verpflichtet. Die soll Gentner fördern. Gleichzeitig ringen sie wie er und Routinier Manuel Schmiedebach um einen Platz in der Startelf. „Wichtig ist, dass der Verein davon profitiert. Dass es Konkurrenzkampf gibt, ist gut für die Jungs und gut für mich. Ich hatte auch nie einen Freifahrtschein in Stuttgart. Es ist mir immer wichtig gewesen, Konkurrenzdruck zu haben“, sagt Gentner. Die Stimmung müsse darunter nicht leiden. „Ich werde die Jungs total unterstützen, denn ich habe den Großteil meiner Karriere hinter mir.“

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