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Sport - 2 Wochen ago

Ein großer Titel für Berlin

Die Füchse gewinnen nach 2015 zum zweiten Mal den EHF-Pokal, im Finale lassen die Berliner dem französischen Spitzenklub St. Raphael keine Chance und siegen 28:25.

Das läuft. Paul Drux von den Füchsen.

Eigentlich müsste sich der Grundsatz längst herumgesprochen haben, ganz besonders in Magdeburg, der alten Wirkungsstätte Silvio Heinevetters. Den deutschen Nationaltorhüter in Diensten der Füchse Berlin dauerhaft auszupfeifen, so wie es die große Mehrheit der vermeintlich neutralen Besucher im Endspiel um den EHF-Pokal 2018 in Magdeburg tat, hat einfach keinen Zweck, im Gegenteil; es ist im Regelfall kontraproduktiv. „So eine Kulisse macht ihn besonders juckig und stachelt ihn noch mehr an“, sagte Füchse-Kapitän Petr Stochl über seinen Kollegen und grinste. „Hat man auch heute wieder gesehen“, ergänzte der Kapitän und dienstälteste Profi des Handball-Bundesligisten, der seine Karriere im Sommer nach 13 Jahren Berlin beenden wird – mit einem renommierten Titel, wie sich am späten Sonntagnachmittag herausstellte.

Da gewannen die Füchse besagtes Endspiel gegen den französischen Vertreter St. Raphael mit 28:25 (14:13) und holten nach 2015 zum zweiten Mal den EHF-Cup nach Berlin. Tags zuvor hatten sie im Halbfinale unter größtmöglichem Einsatz Frisch Auf Göppingen niedergekämpft, nachdem Gastgeber SC Magdeburg überraschend in der Vorschlussrunde ausgeschieden war – wahrscheinlich herrschte in der Arena auch deshalb von Beginn an eine aufgeheizte, phasenweise feindschaftliche Atmosphäre. Aber das interessierte hernach ohnehin nicht mehr wirklich. 

„Jetzt dürfen wir alle ein, zwei Bier trinken“, jubilierte Stochl und zwinkerte. Übersetzt hieß das, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf elf bis zwölf alkoholische Kaltgetränke bei den Profis hinauslaufen würde. „Ich bin unfassbar stolz auf meine Jungs“, sagte Coach Velimir Petkovic nach dem fünften siegreichen Pflichtspiel binnen zehn Tagen, „ich habe noch nie eine Mannschaft mit so großem Charakter trainiert, mir fehlen wirklich die Worte.“ 

Die Partie begann eher schleppend

In der Tat setzten sich die in dieser Saison von Verletzungen, Rückschlägen und Abgängen arg gebeutelten Berliner auch am Sonntag gegen alle Widerstände und ein sportlich nicht immer faire Heimfans durch, die erhebliche Zweifel daran aufkommen ließen, warum die Magdeburger normalerweise als ausgewiesenes Handball-Fachpublikum gelten. „Das war eines Europapokalfinals nicht würdig“, schimpfte Füchse-Manager Bob Hanning. Auf der anderen Seite hatten die fragwürdigen Begleitumstände durchaus ihr Gutes, siehe Heinevetter und all die anderen Kollegen, die einen aufopferungsvollen Kampf lieferten. „Die Kulisse und die ganzen Pfiffe haben meine Jungs noch enger zusammengeschweißt“, befand Petkovic.

Allerdings kamen die Berliner im dritten Duell gegen St. Raphael in dieser Spielzeit – beide Abordnungen waren bereits in der selben Vorrundengruppe gelandet und hatten jeweils Auswärtssiege gelandet – sehr schleppend in die Partie. Abwehrchef Jakov Gojun sah bereits nach wenigen Sekunden eine Zeitstrafe – und in der Offensive brauchten die Füchse acht Minuten, ehe ihnen in Person von Paul Drux der erste Treffer gelang (1:3). Mit dem Treffer waren sie dann allerdings richtig im Spiel und legten ihrerseits einen 9:2-Lauf hin. Drux erzielte zwei weitere Treffer, Matthias Zachrisson ebenso und Heinevetter steigerte sich mit fortwährendem Verlauf. Allein in der Anfangsphase kam der Nationalkeeper auf mehr Paraden als an seinem überaus gebrauchten Tag im Halbfinale. Nach 20 Minuten traf der gewohnt abgezockte Hans Lindberg erstmals zur Vier-Tore-Führung (10:6). Fortan setzte St. Raphael den siebten Feldspieler anstelle des Torhüters ein und kämpfte sich mit diesem taktischen Mittel zurück in die Partie. 

Nach der Pause (14:13) sorgten die Berliner für relativ klare Verhältnisse. Aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung ragte einmal mehr Heinevetter heraus: gegen St. Raphaels Torjäger Raphael Caucheteux parierte er einen Siebenmeter und nahm ihm auch noch den Nachwurf ab, später entnervte er den Außenspieler mit einer Sensationsparade bei einem Gegenstoß – der Grundstein für den kontinuierlichen Führungsausbau, auch unter emotionalen Aspekten. Nach 45 Minuten traf Lindberg zum 20:15. Die international erfahrenen und schlachterprobten Franzosen ließen sich aber nicht so ohne Weiteres abschütteln und waren zehn Minuten vor dem Ende wieder in Reichweite (22:20). Immer, wenn es eng wurde, durften sich die Füchse allerdings auf einen ihrer drei besten Akteure an diesem Nachmittag verlassen – und die hießen: Paul Drux, Mattias Zachrisson und eben Heinevetter. „Wir hatten stets die richtige Antwort parat“, analysierte Drux. 

Die A-Jugend wurde am selben Tag Deutscher Meister

Die Magdeburger Fans sangen in der Schlussphase zwar: „Ohne Schiri habt ihr keine Chance.“ Das war an Lächerlichkeit allerdings nicht zu überbieten. Am verdienten Sieg der Berliner gab es nicht den Hauch eines Zweifels. Bei der Siegerehrung revanchierten sich die Füchse schließlich auf ihre Art für all die Anfeindungen, die sie an zwei Turniertagen hatten hinnehmen müssen: mit einem frisch gedruckten T-Shirt, auf dem eine einfache Frage stand: „Wer regiert hier?“ Es war eine Anspielung auf einen Schlachtgesang der Magdeburger Fans, der am Wochenende nicht nur von den Profis, sondern auch vom Nachwuchs ad absurdum geführt wurde: Neben dem EHF-Cup für die Männermannschaft gewann die A-Jugend der Füchse am Samstag auch das Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft – beim SC Magdeburg. 

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