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Kultur - 1 Woche ago

Von Tim und Struppi bis Lucky Luke: Warum belgische Comics so erfolgreich sind

Ob Lucky Luke oder die Schlümpfe: Belgiens Comic-Helden kennt man weltweit, aber was macht das kleine Land zu Europas Comic-Produzent Nr. 1? Und können sich auch Dickie und Co. international behaupten? Eine Spurensuche.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Tim und Struppi

    Es gibt kaum eine Gegend der Erde, in der Tim und Struppi nicht schon gefährliche Situationen zu meistern hatten. Sogar den Mond haben sie schon 1950, also lange vor Neil Armstrong, bereist. Unterstützt wird das abenteuerlustige Gespann vom unentwegt fluchenden und ständig betrunkenen Kapitän Haddock, dem zerstreuten Professor Bienlein und den stümperhaften Detektiven Schulze und Schultze.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Spirou und Fantasio

    Spirou begann seine Karriere 1938 als Hotelpage, 1943 trat dann der Reporter Fantasio in sein Leben. Zusammen bestehen die beiden zahlreiche Abenteuer. Dabei spielen der Graf von Rummelsdorf, der schurkische Zantafio, der verrückte Wissenschaftler Zyklotrop und später auch der glücklose Mafia-Boss Don Vito Cortizone immer wieder eine Rolle. Und nicht zuletzt das Dschungeltier Marsupilami.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Marsupilami

    Das gelb-schwarz gefleckte Marsupilami lebt im Dschungel Palumbiens und gehört zur Familie der Kloakentiere. Es hat einen acht Meter langen Schwanz und frisst am liebsten Piranhas. Es ist äußerst selten, sehr scheu und hat Superkräfte. Seine größten Feinde sind ein Jaguar, der seine Jungen fressen will, und der Großwildjäger Bring M. Backalive, der es fangen und an einen Tierpark verkaufen will.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Suske und Wiske

    Vor allem französischsprachige Comic-Künstler aus Belgien machten Furore. Allerdings gab es auch Ausnahmen: So erfand der Flame Willy Vandersteen die abenteuerlustigen Kinder Suske und Wise, die zum ersten Mal 1945 abgedruckt wurden und in ihrer Heimat einen ähnlichen Kultstatus erreichten wie „Tim und Struppi“ oder „Spirou“. Hier posieren sie mit den Zeichnern Luc Morjeau (l) und Peter Van Gucht.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Lucky Luke

    Lucky Luke sorgt seit 1946 im Wilden Westen für Recht und Ordnung und muss es dabei immer wieder mit den vier Dalton-Brüdern aufnehmen. Die legendären Bösewichte überfallen nicht nur Postkutschen und Banken, sondern terrorisieren auch brave Bürger. Stets an der Seite des Cowboys: sein Pferd Jolly Jumper, das nicht nur Schach spielen, sondern sich auch selbst satteln und auf Bäume klettern kann.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Rick Master

    Über 55 Jahre hinweg ermittelte Rick Master in kniffligen Fällen. Von 1955 bis 2010 bestand er insgesamt 77 Abenteuer. Der Reporter und Amateurdetektiv hat dabei allerhand kuriose Fälle gelöst und sich mit vermeintlichen Werwölfen und Vampiren rumgeschlagen. Aber am Ende hatte dann doch immer alles eine ganz banale Erklärung – ganz ohne Mystik.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Gaston Lagaffe

    Gaston ist Mädchen für alles im (real existierenden) Comic-Verlag Dupuis, doch vom Arbeiten hält er nicht viel. Sein Credo: „Nein zum höllischen Tempo“. Seine Zeit im Büro nutzt er, um zu musizieren und sich um seine Tiere zu kümmern, darunter eine Mäusefamilie, die in einem Aktenordner wohnt. Außerdem feilt er an Erfindungen: ein Zigarettenstummelansaugautomat oder eine Hängematte aus Expandern.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Die Schlümpfe

    Bekannt wurden die liebenswürdigen blauen Kerlchen 1958. Sie leben im Verwunschenen Land in ausgehöhlten Pilzen. Fleißig sind sie (mit Ausnahme von Fauli Schlumpf, der sogar im Stehen einschläft), und sie musizieren gern. Papa Schlumpf hat Zauberkräfte und beschützt seine Schäfchen mit Magie: Das ist auch nötig, denn der böse Zauberer Gargamel will den Schlümpfen immer wieder an den Kragen.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Gargamel

    Er ist lange der einzige Mensch im Verwunschenen Land und ist begierig darauf, Gold herzustellen. Für die Rezeptur braucht er unbedingt einen Schlumpf. Als Beilage in der Suppe würde er ihn aber auch nicht verschmähen. Insofern müssen die Schlümpfe ständig auf der Hut sein. Immer an seiner Seite: der Kater Azrael.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Silence – der Stumme

    Der stumme und leicht zurückgebliebene Knecht des Bauern Abel wird von seinem Brotherrn schlecht behandelt. Doch Silence sieht in jedem Menschen nur das Gute und merkt gar nicht, dass man ihn als Außenseiter im Dorf ablehnt. Als er sich in eine Hexe verliebt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Silence, erschienen 1980, war der größte Erfolg des Zeichners Didier Comès, eines Pioniers der Graphic Novel.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Die Katze

    „Die Katze“ startete ihre Karriere 1984 in der Zeitung „Le Soir“. Wenn ihr Schöpfer Philippe Geluck am Schreibtisch sitzt und sie ihn vom Blatt aus anschielt, habe er das Gefühl, dass sie ihm was Komisches erzählt, sagt er. Und das setzt er dann um, so wie hier: „Während die Männer die Europäische Union gründeten, kümmerten sich die Frauen um den Haushalt, die Kinder und die Einkäufe.“

  • Comic-Helden aus Belgien

    Dickie

    Dickie ist das Geschöpf des flämischen Zeichners Pieter de Poortere und begeistert seit 2001 eine wachsende Fangemeinde. Dickie ist von Beruf Bauer und der geborene Pechvogel. Die bitterbösen Geschichten kommen ohne Worte aus, wobei der Held in wechselnde Rollen schlüpft. Mal ist er Bin Laden, mal Hitlers Sohn und dann plötzlich Marilyn Monroe. Und immer geht es für den armen Kerl schlecht aus.

    Autorin/Autor: Suzanne Cords


  • Comic-Helden aus Belgien

    Tim und Struppi

    Es gibt kaum eine Gegend der Erde, in der Tim und Struppi nicht schon gefährliche Situationen zu meistern hatten. Sogar den Mond haben sie schon 1950, also lange vor Neil Armstrong, bereist. Unterstützt wird das abenteuerlustige Gespann vom unentwegt fluchenden und ständig betrunkenen Kapitän Haddock, dem zerstreuten Professor Bienlein und den stümperhaften Detektiven Schulze und Schultze.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Spirou und Fantasio

    Spirou begann seine Karriere 1938 als Hotelpage, 1943 trat dann der Reporter Fantasio in sein Leben. Zusammen bestehen die beiden zahlreiche Abenteuer. Dabei spielen der Graf von Rummelsdorf, der schurkische Zantafio, der verrückte Wissenschaftler Zyklotrop und später auch der glücklose Mafia-Boss Don Vito Cortizone immer wieder eine Rolle. Und nicht zuletzt das Dschungeltier Marsupilami.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Marsupilami

    Das gelb-schwarz gefleckte Marsupilami lebt im Dschungel Palumbiens und gehört zur Familie der Kloakentiere. Es hat einen acht Meter langen Schwanz und frisst am liebsten Piranhas. Es ist äußerst selten, sehr scheu und hat Superkräfte. Seine größten Feinde sind ein Jaguar, der seine Jungen fressen will, und der Großwildjäger Bring M. Backalive, der es fangen und an einen Tierpark verkaufen will.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Suske und Wiske

    Vor allem französischsprachige Comic-Künstler aus Belgien machten Furore. Allerdings gab es auch Ausnahmen: So erfand der Flame Willy Vandersteen die abenteuerlustigen Kinder Suske und Wise, die zum ersten Mal 1945 abgedruckt wurden und in ihrer Heimat einen ähnlichen Kultstatus erreichten wie „Tim und Struppi“ oder „Spirou“. Hier posieren sie mit den Zeichnern Luc Morjeau (l) und Peter Van Gucht.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Lucky Luke

    Lucky Luke sorgt seit 1946 im Wilden Westen für Recht und Ordnung und muss es dabei immer wieder mit den vier Dalton-Brüdern aufnehmen. Die legendären Bösewichte überfallen nicht nur Postkutschen und Banken, sondern terrorisieren auch brave Bürger. Stets an der Seite des Cowboys: sein Pferd Jolly Jumper, das nicht nur Schach spielen, sondern sich auch selbst satteln und auf Bäume klettern kann.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Rick Master

    Über 55 Jahre hinweg ermittelte Rick Master in kniffligen Fällen. Von 1955 bis 2010 bestand er insgesamt 77 Abenteuer. Der Reporter und Amateurdetektiv hat dabei allerhand kuriose Fälle gelöst und sich mit vermeintlichen Werwölfen und Vampiren rumgeschlagen. Aber am Ende hatte dann doch immer alles eine ganz banale Erklärung – ganz ohne Mystik.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Gaston Lagaffe

    Gaston ist Mädchen für alles im (real existierenden) Comic-Verlag Dupuis, doch vom Arbeiten hält er nicht viel. Sein Credo: „Nein zum höllischen Tempo“. Seine Zeit im Büro nutzt er, um zu musizieren und sich um seine Tiere zu kümmern, darunter eine Mäusefamilie, die in einem Aktenordner wohnt. Außerdem feilt er an Erfindungen: ein Zigarettenstummelansaugautomat oder eine Hängematte aus Expandern.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Die Schlümpfe

    Bekannt wurden die liebenswürdigen blauen Kerlchen 1958. Sie leben im Verwunschenen Land in ausgehöhlten Pilzen. Fleißig sind sie (mit Ausnahme von Fauli Schlumpf, der sogar im Stehen einschläft), und sie musizieren gern. Papa Schlumpf hat Zauberkräfte und beschützt seine Schäfchen mit Magie: Das ist auch nötig, denn der böse Zauberer Gargamel will den Schlümpfen immer wieder an den Kragen.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Gargamel

    Er ist lange der einzige Mensch im Verwunschenen Land und ist begierig darauf, Gold herzustellen. Für die Rezeptur braucht er unbedingt einen Schlumpf. Als Beilage in der Suppe würde er ihn aber auch nicht verschmähen. Insofern müssen die Schlümpfe ständig auf der Hut sein. Immer an seiner Seite: der Kater Azrael.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Silence – der Stumme

    Der stumme und leicht zurückgebliebene Knecht des Bauern Abel wird von seinem Brotherrn schlecht behandelt. Doch Silence sieht in jedem Menschen nur das Gute und merkt gar nicht, dass man ihn als Außenseiter im Dorf ablehnt. Als er sich in eine Hexe verliebt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Silence, erschienen 1980, war der größte Erfolg des Zeichners Didier Comès, eines Pioniers der Graphic Novel.

  • Comic-Helden aus Belgien

    Die Katze

    „Die Katze“ startete ihre Karriere 1984 in der Zeitung „Le Soir“. Wenn ihr Schöpfer Philippe Geluck am Schreibtisch sitzt und sie ihn vom Blatt aus anschielt, habe er das Gefühl, dass sie ihm was Komisches erzählt, sagt er. Und das setzt er dann um, so wie hier: „Während die Männer die Europäische Union gründeten, kümmerten sich die Frauen um den Haushalt, die Kinder und die Einkäufe.“

  • Comic-Helden aus Belgien

    Dickie

    Dickie ist das Geschöpf des flämischen Zeichners Pieter de Poortere und begeistert seit 2001 eine wachsende Fangemeinde. Dickie ist von Beruf Bauer und der geborene Pechvogel. Die bitterbösen Geschichten kommen ohne Worte aus, wobei der Held in wechselnde Rollen schlüpft. Mal ist er Bin Laden, mal Hitlers Sohn und dann plötzlich Marilyn Monroe. Und immer geht es für den armen Kerl schlecht aus.

    Autorin/Autor: Suzanne Cords


„Comics gehören zu Belgiens Kultur wie Pralinen und Bier“ ist auf der offiziellen belgischen Tourismusseite nachzulesen. Und auf der Website des Comic-Zentrums Brüssel heißt es: „Mehr als 700 Comic-Autoren machen Belgien zum Land mit der größten Dichte an Zeichnern pro Quadratkilometer!“

Keine Frage, in Belgien ist man stolz auf die lange Tradition von Bildergeschichten. Natürlich haben es nicht all diese Zeichner zu Weltruhm gebracht, doch die Gesamtauflage für Alben und Serien liegt bei etwa 40 Millionen Exemplaren pro Jahr. Von allen Büchern, die im Jahr in Belgien herausgegeben werden, sind 60 Prozent Comics. Und längst hat der Comic den Status als „Neunte Kunst“ erlangt. 

Für die neunte Kunst kann man am Tag der Schlümpfe auch selbst Farbe bekennen

Konkurrenz zu Disney & Co.

Angefangen hat der Siegeszug des belgischen Comics, als ein gewisser Georges Remi, besser bekannt als Hergé, „Tim und Struppi“ in die Welt setzte. Das erfolgreiche Duo erschien zunächst als Kinderbeilage der Brüsseler Zeitung „Le Vingtième Siècle“, doch schon bald waren auch die Erwachsenen verrückt nach den Abenteuern des rasenden Reporters und seines treuen weißen Terriers. Und das nicht nur in seiner Heimat: Die Geschichten verkauften sich in 84 Ländern rund um den Globus und machten der US-Übermacht von Disney und Co. Konkurrenz. „Kein Belgier ist so bekannt wie Tim“, ist Didier Leick, Pressesprecher des Hergé-Museums, überzeugt. „Tim ist nicht typisch belgisch, er ist ein universaler Held, aber er ist kein Superheld. Jeder kann sich mit ihm identifizieren, und das macht seine Faszination aus.“

Hergé als Vorbild 

Für Tims Schöpfer Hergé war der Comic immer etwas Besonderes: „Es gibt keine zweitrangige Kunst, keine Hierarchie zwischen Comic und Malerei“, hat er einmal gesagt. 

Vor dem Hergé-Museum in Louvain-la-Neuve steht eine Plastik des Zeichners. 2019 feiern seine Helden Tim und Struppi ihren 90. Geburtstag.

Hergés Werk inspirierte zahlreiche Landsleute, ebenfalls zum Zeichenstift zu greifen. Die „ligne claire“, die klare Linie mit präzisen Konturen und einfarbiger Kolorierung ohne Schattierungen, wurde Vorbild für ganze Generationen von Comic-Zeichnern. Und so entstanden lauter liebenswerte Figuren, die ihre Popularität der großen Verbreitung zweier Comic-Wochenblätter zu verdanken hatten: 1938 lancierte der in Marcinelle bei Charleroi ansässige Verlag Dupuis „Spirou“, ab 1946 gab der Vater des belgischen Comics, Hergé, in Brüssel „Tintin“ heraus – so lautete der französische Name seines Helden Tim. Beide Zeitschriften wurden zur Talentschmiede junger Autoren und prägten für die nächsten Jahrzehnte die europäischen Bildergeschichten.

Die Comic-Helden

1938 betrat Spirou die Bildfläche, der als Page im Hotel Mücke seinen Dienst versieht, an seiner Seite stets das Eichhörnchen Pips. Zunächst vom Franzosen Rob-Vel für die neue Comic-Zeitschrift gleichen Namens entworfen, wurde die Figur bald darauf vom Belgier Joseph Gillain alias Jijé übernommen. Doch erst unter André Franquin, der die Reihe ab 1946 prägte und dem Helden einen Freund an die Seite stellte, wurden die Geschichten zum europaweiten Klassiker. Zusammen mit dem Lebenskünstler und chaotischen Reporter Fantasio erlebt Spirou zahlreiche spannende Abenteuer.

Ebenfalls weit über Belgiens Grenzen hinweg bekannt wurde Lucky Luke.

Lucky Luke und sein treues Pferd Jolly Jumper trotzen allen Gefahren

1946 erweckte der Zeichner Morris den Cowboy zum Leben. Mit seinem treuen Pferd Jolly Jumper, das sich selbst die Hufe beschlagen und satteln kann, aber auch sonst für einige Überraschungen gut ist, kämpft er im Wilden Westen gegen die Daltons-Bande.

1946 traten der Atomphysiker „Professor Mortimer“ sowie „Hauptmann Blake“, der Chef des britischen Geheimdienstes M.I.5, auf den Plan. Die allererste von Edgar P. Jacobs erfundene Folge der Reihe „Blake und Mortimer“, „Der Kampf um die Welt“, verarbeitete noch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und zeigte die apokalyptische Vision einer Welt, die von einem Diktator bedroht wird.

Die Schlümpfe starteten ihre Weltkarriere 1958 als Nebendarsteller im Comic „Johann und Pfiffikus“. Ihr Erfinder, der Zeichner Pierre Culliford alias Peyo, hatte nicht damit gerechnet, dass das Publikum die blauen Zwerge so ins Herz schließen würde – aber das tat es. Die Schlümpfe erschienen in 25 Sprachen.

„Der Erfolg des belgischen Comics hat wohl auch damit zu tun, dass er sich nicht so furchtbar ernst nimmt“, meint Didier Leick. „Er hat immer auch surrealistische Elemente, die beim Publikum gut ankommen.“

Zwischen Fiktion und Realität

Da ist zum Beispiel der Bürobote Gaston, der 1957 im ewig grünen Schlabberpulli und ausgelatschten Schuhen plötzlich im Comic-Verlag Dupuis auftaucht und allen im Weg rumsteht. Realität und Bildergeschichte vermischen sich. Gaston war beim Publikum so beliebt, dass er schließlich seine eigene Serie bekam. Oder das Marsupilami: scheu und wehrhaft zugleich. Das südamerikanische Fantasiewesen trifft, ebenso wie Gaston, zwischendurch mal auf Spirou und Fantasio – Comic-Helden unter sich.

Auf Rick Master trifft man nicht nur im Comic, man kann ihn auch auf Häuserwänden in Aktion erleben

 Und nicht zuletzt „Rick Master“, der als Journalist undAmateurdetektiv ab 1955 eine große Anhängerschaft hinter sich schart. Immer wieder ist er in rätselhafte Kriminalfälle verwickelt, in denen Werwölfe, Vampire und andere übersinnliche Gestalten auftauchen. Wobei es am Ende immer eine natürliche Erklärung für die mysteriösen Vorfälle gibt.

Mysteriös ging es auch bei dem 2013 verstorbenen Didier Comès zu, der u.a. für die Zeitschrift „Spirou“ zeichnete, aber nur einen mehrfach preisgekrönten Erfolg landete. Seine Hauptfigur „Silence, der Stumme“ ist ein naiver Dorftrottel, der in jedem Menschen nur das Gute sieht, sich in eine Hexe verliebt und am Ende von seinem bösen Stiefvater ermordet wird.  

Didier Comès zeichnete Außenseiter – und fühlte sich selbst als einer

„Comès widmete sich in seinem Werk immer den Außenseitern der Gesellschaft, weil er sich selbst als einer sah“, sagt Virgile Gauthier, Direktor der Abtei Stavelot, wo Werke des Zeichners noch bis 2020 zu bewundern sind. Comès‘ Welt ist inspiriert von Mythen seiner Heimat, der Moorlandschaft des Hohen Venn, und seine schwarz-weißen Tuschezeichnungen sind düster und unheimlich.

Die Katze und Dickie

Der Nachschub an Comic-Figuren brach in Belgien auch in neuerer Zeit nicht ab. So schuf Philippe Geluck in Brüssel seine beliebte Figur „Le Chat“, die Katze, die aufrecht geht und mit Hemd und Krawatte stets korrekt gekleidet ist. „Die Katze ist für mich ein Werkzeug, um den Leuten etwas zu erzählen“, so Geluck gegenüber einer belgischen Zeitung. „Manchmal ist es sehr philosophisch, politisch und ernst, und manchmal ist es einfach nur verrückt.“

„Die Katze“ bei der Comic-Parade in Brüssel

Und dann gibt es Dickie aus der Feder des flämischen Zeichners Pieter de Poortere, ein Riesenerfolg in Belgien und den Niederlanden. Der etwas dümmliche Bauer schlüpft in den wortlosen und sarkastischen Geschichten in verschiedene Rollen: Mal verkörpert er Bin Laden, dann Hitlers Sohn oder Marilyn Monroe. 

Um all die heimischen Comic-Helden zu würdigen, wurde in Brüssel 1989 ein Comic-Museumeröffnet. An zahlreichen Hauswänden im ganzen Land sind Comic-Figuren verewigt, und einmal im Jahr gibt es eine Comic-Messe und dazu eine Parade mit riesigen aufgeblasenen Comic-Figuren.

Keine Chance gegen Mangas

Im Ausland sind die neueren belgischen Comic-Helden allerdings nicht mehr so bekannt wie einst Tim und Struppi oder Spirou und Fantasio, denn längst beherrschen japanische Mangas den internationalen Markt. Doch zumindest in Belgien bleiben die Leser ihren Comics treu.

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